Smart mobility erFahren
In Merzig fand der Tag des offenen Testfeldes statt

Die Zukunft des Fahrens heute schon live erleben war das Motto des Tages des offenen Testfeldes am 2. September 2017 in der Merziger Innenstadt, an dem die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) ihre Forschung im Bereich Smart mobility präsentierte. „Was bisher im Hintergrund, kaum sichtbar, bereits seit Jahren in Merzig getestet und das Autofahren der Zukunft grundlegend ändern wird, live zu zeigen und erlebbar zu machen, war uns von Anfang an wichtig“, so Bürgermeister Marcus Hoffeld.

Der Tag des offenen Testfeldes bot für Wirtschafts- und Verkehrsministerin Anke Rehlinger den Bürgerinnen und Bürgern interessante Einblicke in die Vorzüge des vernetzten Fahrens. Sie sagte, dass sie auf das Thema setze. „Die Vorteile für Verkehrsfluss, Klima oder Verkehrssicherheit liegen auf der Hand. Wir müssen sie in den Regelbetrieb bringen.“ Dabei spielten die Projekte der htw saar in Merzig genauso wie das grenzüberschreitende Testfeld zwischen Deutschland und Frankreich eine große Rolle. Auch für neue Geschäftsmodelle und Unternehmensideen böten sich Chancen. Dies werde das Profil der Saar-Wirtschaft weiter schärfen. Als Anlaufstelle für alle Themen zum vernetzten Fahren im Saarland wurde daher eigens im Saar-Wirtschaftsministerium eine Kommunikations- und Koordinierungsstelle eingerichtet. Sie steht als zentraler Ansprechpartner allen Akteuren beratend zur Verfügung.

Seit zwei Jahren führen Prof. Dr.-Ing. Horst Wieker und sein Team der Forschungsgruppe Verkehrstelematik der htw saar in Merzig Forschungsprojekte für vernetztes und automatisiertes Fahren durch. Das aktuelle Forschungsprojekt iKoPA (integrierte Kooperationsplattform für automatisierte Fahrfunktionen) hat beispielsweise zum Ziel, eine sichere sowie zuverlässige Kommunikation von Informationen, insbesondere für (teil-)automatisierte Elektrofahrzeuge, zu entwickeln.

„Ich freue mich sehr, dass uns die Kreisstadt Merzig die Möglichkeit bietet, unsere Forschungsideen in der Realität zu testen“, ergänzt Prof. Wieker.

Auf dem Kretzschmar-Platz und dem Rathausinnenhof konnten Besucher von 10:30 bis 17:00 Uhr viele interessante Erfahrungen im Bereich des vernetzen und automatisierten Fahrens machen und live erleben. So bot die htw saar Testfahrten in Fahrzeugen ausgerüstet mit zukünftiger Technik auf einem Rundkurs durch die Merziger Innenstadt an. Die Fahrgäste erfuhren die Ergebnisse der Forschungsprojekte im wahrsten Sinne des Wortes. Im Bereich des Parkplatzes gegenüber der Stadthalle wurde ein Fußgängersimulator aufgebaut. Damit demonstrierten die Forscher ein Warnsystem, das Autofahrer auf Fußgänger aufmerksam macht, die beispielweise hinter einem parkenden Lastkraftwagen oder einer nicht einsehbaren Ecke hervorkommen. Daneben wurde ein Bremswarnsystem und ein Parkplatzreservierungs- und Parkplatznavigationssystem gezeigt.

Um eine Falschfahrererkennung zu simulieren, ohne den Verkehr zu gefährden, wurde die Einbahnstraße „Bahnhofstraße“ für die Testfahrzeuge virtuell umgekehrt. Richtig fahrende Fahrzeuge wurden vom System als „Falschfahrer“ erkannt. Ein Testfahrzeug fuhr in die Bahnhofstraße – ein zweites Testfahrzeug erhielt die Gefahrenmeldung, dass sich in der Straße ein Geisterfahrer befindet. Gleichzeitig wurde dem Falschfahrer selbst angezeigt, mit welchen Maßnahmen er die Falschfahrt schnellstmöglich beenden kann.

Im weiteren Verlauf des Kurses wurde ein Fahrzeug an einer schlecht einsehbaren Stelle mit Warnblinkanlage abgestellt und simulierte so ein liegengebliebenes Fahrzeug. Das heranfahrende Testfahrzeug wurde gewarnt und konnte so rechtzeitig die Geschwindigkeit anpassen und eine potenziell gefährliche Situation vermeiden. In den beiden Fällen wird durch die gegenseitige Kommunikation der Verkehrsteilnehmer die Sicherheit deutlich erhöht.

Der letzte Anwendungsfall zeigte, wie moderne Systeme die Verkehrseffizienz steigern und die Umwelt schonen können. An der Kreuzung vor dem Rathaus wurde den Versuchsfahrzeugen per Funk mitgeteilt, wann die Ampel umschalten wird. So konnte die Geschwindigkeit der Fahrzeuge frühzeitig angepasst werden, so dass unnötige Halte und damit Lärm- und Abgasemissionen vermieden werden konnten.

Auf dem Veranstaltungsgelände selbst gab es noch vieles zu sehen. So hielt Prof. Wieker im Projektbüro, das allen beteiligten Unternehmen und Organisationen zu Forschungszwecken zur Verfügung steht, Vorträge zum Testfeld und den Forschungen in Merzig. Der Bereich Fahrzeugtechnik zeigte moderne Emissionsmesssysteme, alternative Antriebe und Informationen zu Zugangssystemen für Fahrzeuge. Zudem war die htw saar mit einem Stand vertreten, der über die einzelnen Studiengänge der Hochschule informierte.

Die Kreisstadt Merzig warb für die touristischen Sehenswürdigkeiten der Region. Abgerundet wurde der Informationstag durch die Merziger Auto- und Fahrradhändler, die auf dem Rathausinnenhof u.a. Hybrid- und E-Mobilität-Modelle präsentierten. Die Merziger Kaufleute hielten am Tag des offenen Testfeldes ihre Geschäfte in der Fußgängerzone länger geöffnet, um wissenshungrigen Bürgerinnen und Bürgern durch Flanieren eine runden Abschluss zu bieten. Insgesamt ein rundum erfolgreicher „Zukunftstag“ für die Kreisstadt Merzig, der Lust auf mehr macht.

Impressionen vom Tag des offenen Testfelds