Interview mit Christine Jordan-Decker, kaufmännische Leiterin des CEC Saar

 

sichtbar: Frau Jordan-Decker,  alle reden davon, dass das lebenslange Lernen wichtiger sei denn je. Ist das so?

Christine Jordan-Decker: Das ist tatsächlich so! Und die Bedeutung des Wissens für das Wachstum der Wirtschaft und die Herausbildung neuer Beschäftigung kann nicht oft genug betont werden. In unserer Wissensgesellschaft ist Wissen ein entscheidender Innovationsfaktor. Im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung schrumpft jedoch der Vorsprung wissenschaftlicher Erkenntnisse und technische Innovationen stetig, oder um es umgekehrt auszudrücken, das Innovationstempo steigt rasant an. Die Wirtschaft benötigt daher immer mehr Erwerbstätige, die durch kontinuierliche Qualifizierungsprozesse über das entsprechende Wissen verfügen.


 "In unserer Wissensgesellschaft ist Wissen ein entscheidender Innovationsfaktor."


sichtbar:  Das CEC Saar bietet akademische Weiterbildung. Bedeutet akademisch besonders schwer oder sollten Interessierte bereits ein Studium hinter sich haben?

Christine Jordan-Decker: Akademisch bedeutet, dass wir als Hochschule wissenschaftliche Weiterbildungsformate anbieten, die gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Das ist auch der wesentliche Unterschied zu Anbietern rein beruflicher Weiterbildungen. Die Qualitätskriterien unserer Weiterbildungsstudiengänge stimmen mit denen der grundständigen Studiengänge exakt überein. Und das muss auch so sein, denn ein akademischer Abschluss aus unserem Weiterbildungsangebot ist kein Abschluss zweiter KIasse.

Es ist nicht erforderlich, bereits ein Studium absolviert zu haben. Wir bieten als einzige akademische Institution im Saarland Berufstätigen, die bis dato über keinen Hochschulabschluss verfügen, beispielsweise verschiedene Bachelorstudiengänge mit wirtschaftswissenschaftlichem und oder ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt an. 

sichtbar: Worin unterscheidet sich das CEC Saar von anderen Anbietern? Warum sollte ich an die htw saar?

Christine Jordan-Decker: Da fallen mir spontan drei Punkte ein. Erstens, stehen wir in einem engen Dialog mit Unternehmen in der Region. Wir ermitteln gemeinsam den Bedarf an hochqualifizierender Weiterbildung und entwickeln daraus Studien- und Zertifikatsprofile, die eine Perspektive für neue berufliche Ziele bieten.

Punkt zwei: Unser wissenschaftliches Weiterbildungsangebot basiert auf dem Lehr- und Forschungsprofil der htw saar. Nur so können wir sicherstellen, dass wir neueste Erkenntnisse aus einem Fachgebiet vermitteln. Gleichzeitig verfügen unsere Professorinnen und Professoren über die nötige Praxiserfahrung, was essentiell für die erfolgreiche Verzahnung von Wissenschaft und Berufswelt, sprich die Vermittlung von Theorie und Praxis ist.

Drittens verstehen wir uns im CEC Saar als „one-stop-office“. Wir informieren Unternehmen und beraten Studierende über die Möglichkeiten der Qualifizierung. Wir unterstützen Berufstätige und Studieninteressierte vom ersten Tag an bei ihrer Karriereplanung und bereiten die Teilnehmer(innen) gezielt darauf vor, anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen oder sich für Stellen mit Führungsverantwortung zu qualifizieren.


 "Lebenslanges, berufsbegleitendes Lernen erfodert in zunehmendem Maße, dass wir auf die individuellen Bildungs- und Berufsbiografien der Menschen eingehen."


sichtbar: Gibt es auch etwas, was Sie gerne verbessern würden?

Christine Jordan-Decker: Absolut! Diese Liste steht der ersteren nichts nach.
Ganz vorne steht da für mich der Wunsch, den Zugang zu den Studiengängen stärker zu öffnen. Lebenslanges, berufsbegleitendes Lernen erfordert in zunehmendem Maße, dass wir auf die individuellen Bildungs- und Berufsbiografien der Menschen eingehen. Das Ganze muss natürlich mit Augenmaß betrieben werden. Augenmaß insofern, dass wir motivierten und besonders qualifizierten Beschäftigten, die über keine herkömmliche Studienberechtigung verfügen, den Zugang zu einer wissenschaftlichen Weiterbildung erleichtern sollten. Durch Anerkennung von Kompetenzen im beruflichen Umfeld zum Beispiel. Dazu müssen neue Anrechnungsverfahren entwickelt, fair und transparent gestaltet werden.  

Ebenso wichtig ist der stetige Ausbau unserer modularen und flexiblen Studienangebote. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass wir neben den Berufstätigen auch vermehrt Berufsrückkehrer, ältere Lerner, Personen mit Familienpflichten oder gar Studienabbrecher erreichen.  

Last but not least geht es um das Thema Qualitätsmanagement. Die permanente Evaluation unserer Kurse stellt sicher, dass eventuelle Mängel schnell identifiziert und beseitigt werden. In dem Punkt scheuen wir auch heute schon keinen Aufwand, sei er noch so hoch. Unsere berufstätige Klientel weiß sehr wohl, welche Kompetenzen sie benötigen und fordern dies auch ein. Dieses Feedback ist uns enorm wichtig und fordert uns auch weiterhin heraus, flexibel auf die Anforderungen zu reagieren.

Außerdem bietet das Feedback von Teilnehmern oder Unternehmen gute Möglichkeiten, Ideen, neue Impulse zu integrieren. Das erhöht die Akzeptanz unserer Studiengänge und Zertifikatsprogramme.   

Mehr Informationen zu den Weiterbildungsprogrammen des CEC Saar (Continuing Education Center Saar) finden Sie hier