Starthilfe für Startups

Teil IV: dimeto GmbH

 

Zusammenfassung
Kreative Momente ereignen sich oft abseits des hochstrukturierten Arbeitsalltags. Und ebenfalls sehr häufig beginnen erfolgversprechende bzw. erfolgreiche Storys mit einem Zufall. Kurzgesagt hat sich die Urzelle 2010 auf einer Skipiste gebildet, die dann fünf Jahre später zur Gründung eines Startups führen sollte. Und verrückter Weise hat man damals während einer sonnigen Mittagspause über Niederschlag gesprochen. Und das quantitative Messen von Niederschlägen sowie ein automatisiertes Erkennen von Niederschlagsarten im Schulterschluss mit Netzwerkanbindung und Weiterverarbeitung der Daten war (und ist) relativ neu. Jedenfalls liegt es im Trend dessen, was die Mächtigkeit der Begriffe „Digitalisierung“ und „Internet of Things“ auszeichnet: Viele (kleine) Sensoren im Feld, d.h. flächige Datenerhebung, die alle an ein Datenbanksystem angebunden sind. Auf diese Weise können zentral aus Messdaten Messwerte gemacht werden, d.h. der Wert von Messwerten wird dadurch kundenspezifisch gestaltbar. Um diesen Brückenschlag von einer Idee aus der htw saar zum Markt zu professionalisieren, wurde im Januar 2015 die dimeto GmbH gegründet.

Wie es nach dem Zufälligen weiterging
Als Folge des o.g. zufälligen Aufeinandertreffens haben sich die Personen im Rahmen ihrer beruflichen Rollen innerhalb weniger Wochen gegenseitig besucht. Der nächste Schritt war dann der Start einer Kooperation zwischen der htw saar, vertreten durch Martin Löffler-Mang und der Schweizer Firma in-NET Monitoring AG, vertreten durch Urs Aschwanden und Christian Ruckstuhl (siehe auch Artikel und Interview in sichtbar Nr. 2/2016 S.13 f.). Denn schnell war den Beteiligten klar, dass durch eine inhaltliche Zusammenarbeit im Bereich Umweltmesstechnik (z.B. Hagelsensor, Lichtmonitoring, Nebelsensor) eine Win-win-Situation für beide entsteht. Konkret wurden Patente der htw saar lizensiert, die der Hochschule seitdem einen kontinuierlichen Mittelzufluss erbringen. Neben eigenen Anwendungen in der Schweiz hat inNET auch Unterlizenzen der Patente an Firmen in Amerika, Europa und Australien vergeben und damit einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen für sich selbst erzielt. Im Rahmen dieser für alle Beteiligten erfreulichen Kooperation hat inNET darüber hinaus mehrere Jahre eine Mitarbeiterstelle im OML-Labor der htw saar kofinanziert.

Eine geplante Kreativphase: Forschungssemester
Als logische Konsequenz der bis 2013 erfolgreich gewachsenen Kooperation lud die inNET Martin Löffler-Mang zu einem Forschungsaufenthalt an ihrem Firmensitz in Altdorf, Kanton Uri, ein. Im Sommer 2014 nutzte der Leiter des OML-Labors diese Gelegenheit im Rahmen eines Forschungssemesters. Diese Einladung zu einem Forschungsaufenthalt bot damit genau die passende Gelegenheit, für die die organisatorische Möglichkeit „Forschungssemester“ steht – und sie wurde mit Freude angenommen. Durch diese sechsmonatige Phase wandelte sich die Qualität der Kooperation, denn es war eine intensive, weil tägliche Kommunikation der Interessierten. Sie stärkte nicht nur die fachliche Beziehungsebene weiter, sondern auch die soziale. Und deshalb verwundert es nicht, dass in genau dieser fruchtbaren Zeit der Gedanke entstand, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, das als „konstruktive Brücke“ zum Markt agieren könnte. So kam es, dass sich noch während des Forschungssemesters drei Vertreter der inNET AG und vier Vertreter der htw saar am 11. Juni 2014 in Seelisberg für einen ganztägigen Workshop trafen, um über die Gründung eines möglichen Start-ups zu diskutieren (siehe Foto). Und mit Begeisterung fassten sie den Beschluss, gemeinsam eine entsprechende Firma zu gründen.

Firmengründung
Gegründet wurde diese Firma dann im Januar 2015 und zu den Gründungsmitgliedern kamen zwei weitere hinzu, ein Rechtsanwalt sowie ein selbstständiger Organisationsentwickler und Coach mit ingenieurtechnischem Background. Es lagen damit alle Kompetenzen für das Aufsetzen dieses Start-ups „inhouse“ vor: Die rechtliche Abwicklung der Gründung, die Knowhow-Träger im Bereich Sensorik und IT, ein Experte für die Entwicklung der Organisation und einer passenden Kommunikationskultur. Denn es war den Beteiligten von Anfang an auch klar, dass die räumliche Entfernung zwischen Gesellschaftern und den aktiven Partnern eine kommunikative Herausforderung darstellen wird.

Firmenentwicklung
Ein Leitsatz der Gesellschafter war von Anfang an, ohne Fremdkapital auszukommen. Dies bedeutet, dass das Start-up erst zu dem Moment bezahlte Mitarbeiter haben kann, in dem entweder bewilligte Forschungsprojekte oder Entwicklungsprojekte von fördernden Kooperationspartnern vorliegen – oder beides. Glücklicherweise ist das „beides“ gelungen, so dass ab März 2016 die bis dahin von Rechtsanwalt Peter Theiß ehrenamtlich ausgeführte Geschäftsführung umgestellt werden konnte auf einen Interimsgeschäftsführer. Seit 14.3.2016 ist Dr. Claus Riehle geschäftsführender Gesellschafter und übt diese Tätigkeit als Dienstleistung im Rahmen seiner freiberuflichen Beratungstätigkeit aus. Die dimeto GmbH hat das Glück, nicht nur einen sehr innovativen Kreis von Operativen zu haben, sondern inzwischen auch Gesellschafter und Kooperationspartner mit Markt-, Produkt- und Produktionskompetenz. Denn das sind verständlicherweise genau die Dinge, mit denen Hochschulausgründungen weniger vertraut sind. Und mit der Kisters AG ist ein erfolgreicher mittelständischer Kooperationspartner hinzugekommen, der am Markt für Software, Hardware und Ingenieurleistungen in den Bereichen Energie, Wasser, Luft, Umweltschutz usw. seit Jahren etabliert ist. Hier lernt dimeto im Grunde jedes Quartal Neues hinzu. Zählt man alle die zusammen, die in 2016 für dimeto operativ tätig waren, dann kommt man auf 12 Personen – wie an der letzten Weihnachtsfeier dann zu sehen war. Deshalb war es nur folgerichtig, dass die dimeto GmbH zum Jahresbeginn 2017 in das Gründerzentrum der htw saar umgezogen ist.


Abbildung 1: Mitarbeiter Nico Porta untersucht die Abbildungseigenschaften und die Ausleuchtung eines optischen Messsystems

dimeto-Profil
Aus der ursprünglich vagen Verbindung zwischen Idee und Anwendung hat sich eine stabile Beziehung zwischen Innovativen und Kunden gebildet. Mit anderen Worten, dimeto ist als Brücke zwischen Idee und Markt für die Forscher nicht mehr wegzudenken. Die Firma ist damit ein wichtiges Bindeglied zwischen einer Ideenschmiede (wie z.B. htw saar) und einem Unternehmen am Markt geworden, zum Beispiel eben auch für KMUs, die keine eigene Entwicklungsabteilung haben (wie etwa die inNET AG). So kann dimeto mit seiner sensor- und IT-technischen Kompetenz gerade KMUs darin unterstützen, den oft mühsamen und langen Weg von der Idee zum Funktionsmuster zur Kleinserie zu verkürzen. Daneben bietet dimeto im Bereich Sensorik, Messtechnik, Sensorsysteme, Messsysteme mit Datenanbindung auch passende Dienstleistungen an. Das kann die messtechnische Untersuchung einer Vorrichtung oder eines Apparates sein (z.B. Zerstäubungsverhalten von Düsen, siehe Abb. 1), oder Entwicklungen und Anwendungen im Bereich Umweltmonitoring (Feinstaub, Aerosole, Niederschlag). Es kann aber auch Analyse und Aufbereitung von Messdaten sein, denn es ist mitunter eine Kunst, aus Daten wirklich Messwerte zu machen; oder anders gesagt, aus Datensammlungen Informationen zu gewinnen. Da der Strom an Daten weltweit exponentiell wächst, gerade wegen der „Digitalisierung“ und dem „Internet of Things“, besteht die Gefahr, dass die Zahl der Datenfriedhöfe steigt. Deshalb besteht der eine Teil der dimeto-Kompetenz darin, Messdaten mit einem sensorischen System zu erzeugen und in einer Datenbank verfügbar zu machen, und der andere und wesentliche Teil besteht darin, den Mehrwert von „Big Data“ am Ende des Tages auch zu heben, also mehr Wert zu schaffen …

Das Fazit ist kurz: Nachahmung erlaubt ... !

 

Foto: Das Entwicklerteam der dimeto GmbH; v. li. n. re.: Steven Meisberger, Philipp Molitor, Dominik Schön, Benedikt Bach, Steffen Schuhmann, Prof. Dr. Martin Löffler-Mang, Christoph Karls, Nico Porta, Marcus Landry, Dr. Claus Riehle