‚Wohnen wie Peter Lustig‘ titelt Die Zeit. ‚Leben auf kleinem Fuß‘ heißt es im Geo-Magazin. Die Rede ist von Tiny Houses, winzigen Häusern, die auf wenigen Quadratmetern Wohnraum von Küche bis Schlafzimmer bieten. In den letzten Jahren hat sich aus dieser Idee eine ganze Bewegung entwickelt, die sich von den Häusern im Miniformat Unabhängigkeit und Freiheit versprechen und darin eine nachhaltige Alternative zur Wohnungs- und Platzknappheit in Städten sehen.

Die Schule für Architektur Saar an der htw saar hat sich dem Konzept des Tiny Houses auf andere Art genähert und in einem Forschungsseminar jenen „Einraum“ mit Methoden des digitalen Holzbaus kombiniert. Die Idee dahinter:  Wie wäre es, wenn man sich den digitalen Bauplan für das Tiny House aus dem Internet laden und sich die Bauteile an seinem Wohnort auf einer CNC-Fräse ausschneiden lassen könnte?

Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ulrike Fischer, Prof. Dipl.-Ing. Matthias Michel und Gaston Glatz M.Sc. konnten 18 Master-Studierende im Sommersemester 2021 die innovativen Möglichkeiten des digitalen Holzbaus untersuchen. Es galt, Mikro-Architekturen baulich effizient und nachhaltig aus flächigen Plattenwerkstoffen und möglichst ohne zusätzliche Metallverbindungen umzusetzen. Dabei wurde Wohnraum ganz neu interpretiert.

„Anfangs haben wir erforscht, welche Anmutung und Technik neue digital produzierte Möbel haben. Die Teile dieser Möbel werden nach einem digitalen Datensatz auf einer CNC-Fräse ausgeschnitten und nur zusammengesteckt. Die Steckverbindungen sind sichtbar, machen den Reiz dieser Entwürfe aus. Die handwerkliche Erfahrung steckt oft schon in den digitalen Produktionsdaten. Dieses Prinzip wollen wir nun auf Häuser übertragen. Das Tiny House als Zwischenstufe zwischen Möbel und Haus ist ideal“, erklärt Prof. Michel.           

„Wir wollten ein Haus konstruieren, das die Grundbedürfnisse des Wohnens erfüllt. Mit einer gemütlichen Ecke, einer Kochnische, einem Arbeitsplatz und einem Schlafbereich. Also alle Funktionen des täglichen Lebens auf einem möglichst komprimierten Raum mit maximaler Nutzungsdichte und einem hohen Maß an Integration“, führt Gaston Glatz aus.

„Dieser Ansatz ist nochmals reduzierter als das Konzept des Tiny Houses“, so Prof. Fischer. An der Schnittstelle zwischen Möbel und Haus funktioniert Leben auf engstem Raum nur durch Verdichtung und Mehrfachnutzung. Hier waren die innovativen Ideen der Master-Studierenden gefragt, die einen architektonischen Einraum entwerfen und ihn mit eigens hierfür erarbeiteten Fügungs- und Stecktechniken sowie mit Hilfe digitaler Produktionswerkzeuge realisieren sollten.

Dabei wählten die Dozierenden einen für Architekturmodelle eher unüblichen Maßstab. „Wir haben einen Maßstab von 1:3 gewählt, zum einen, wegen der Kapazität unserer Maschinen, zum anderen wollten wir die Modelle nicht zu klein, zu objekthaft machen“, erklärt Prof. Fischer. Bei einem Maßstab von 1:3 bekomme man eher ein Gefühl für die Innenräume. Tatsächlich wirken die großen Modelle nahezu maßstabslos. Minimalistisch, modern – versteht sich. Aber fast so, als könnte man sie betreten.

Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Haus haben die Studierenden mit der Unterstützung ihrer Dozierenden dabei alles selbst gemacht. „Sie haben den ganzen digitalen Produktionsprozess von Anfang bis Ende erlebt und mit den eigenen Ideen und Händen gestaltet. Darin unterscheidet sich dieses Projekt von vielen anderen“, sagt Prof. Michel. Das Wissen, das sich die Architektinnen und Architekten hierbei aneignen konnten, sei unter anderem für die spätere Arbeit mit Mittelständlern und Dienstleistern sehr wertvoll.

„Wenn zum Schluss alles zusammenpasst und funktioniert, wie man es sich am Computer in 3D ausgedacht hat, das hat schon großen Spaß gemacht“, sagt Architektur-Student Jakob Dörr. Eine besondere Herausforderung seien dabei die Verbindungsstücke gewesen, die die Studierenden selbst entwickelt haben. Da die Tiny Houses möglichst ohne Metallverbindungen und Werkzeug konstruiert werden sollten, brauchte es Knotenpunkte, die die einzelnen Teile stabil miteinander verbinden. „Das kann man sich wie ein dreidimensionales Puzzle vorstellen“, erklärt Prof. Fischer.

Auch Nachhaltigkeit war bei dem Projekt ein großes Thema. Beim Fräsen der Holzplatten werden Teile aus der Platte herausgelöst. Eine Projektgruppe machte es sich zur Aufgabe, die hierbei entstehenden kleinteiligen Reste als Ausgangsmaterial für Ihre Konstruktion zu machen. Dieses Recycling-Prinzip ließe sich zudem auf viele weitere Projekte übertragen.

Die verschiedenen Ansätze aus dem Forschungsseminar zeigen eindrucksvoll, wie aus modernen Fertigungsprozessen und innovativen Nutzungskonzepten qualitätsvolle und zukunftsweisende Lösungen entstehen können.

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