2001

Am 1. Januar 2001 trat Prof. Dr. Wolfgang Cornetz als Nachfolger von Rudolf Warnking das Amt des Rektors an. Der Senat der Hochschule hatte den 53 jährigen Dipl.-Ökonom am  8. November 2000 gewählt. Erstmals war die Stelle des Rektors öffentlich ausgeschrieben worden. Insgesamt 23 Bewerber hatten sich für das Amt beworben. 

2001 führte die htw saar mit der Kommunikationsinformatik den ersten Bachelor-Studiengang im Saarland ein. Der innovative Studiengang zielte darauf ab, zum einen die häufig fehlende Programmierfähigkeit der Nachrichtentechniker und zum anderen den mangelnden nachrichtentechnischen Hintergrund der Informatiker zu beheben. Im neuen Studiengang Kommunikationsinformatik wurden diese neuen Anforderungen der Wirtschaft optimal kombiniert.

Die Situation an der HTW war besorgniserregend. Nur noch 2.500 Studierende besuchten die Hochschule. Das war nicht nur an der HTW der Fall, in ganz Deutschland waren die Studierendenzahlen insbesondere in den technischen Fächern eingebrochen. Allerdings hatte die HTW neben dem bundesweiten Trend auch hausgemachte Probleme. Daher rief der damalige saarländische Kultusminister Jürgen Schreier, im August 2001 eine zehnköpfige Sachverständigenkommission ins Leben. Zu den Mitgliedern gehörten der Direktor der Technologie-Stiftung Schleswig-Holstein Hans-Jürgen Block, einige Präsidenten und Prorektoren verschiedener Fachhochschulen sowie Margret Wintermantel, die Präsidentin der Universität des Saarlandes. Bis Ende April führte die Sachverständigenkommission Gespräche mit Studierenden und der Hochschulleitung und lud Vertreter von Wirtschafts- und Regionalverbänden sowie der Politik ein, um die Situation der HTW auszuloten.


Im März 2002 löste die Veröffentlichung des Abschlussberichtes ein Beben in der saarländischen Öffentlichkeit aus. Die Saarbrücker Zeitung titelte mit „Ein miserables Zeugnis“ und „Flucht von der Fachhochschule“. Das „niederschmetternde Urteil“ der Kommission wurde folgendermaßen zusammengefasst: „Die HTW des Saarlandes habe ein veraltetes Fächerspektrum, ihr laufen die Studenten davon, und von denen, die trotzdem kommen, fliegt, je nach Studiengang, ein Drittel bis zur Hälfte wieder raus.“ 

Neben dem Studierendenschwund war der Kommission insbesondere die Abwanderung der saarländischen Studierenden aufgefallen. Zudem wurde der im Deutschlandvergleich unterdurchschnittliche Frauenanteil bemängelt. Auch blieben die Kapazitäten in den einzelnen Fachbereichen teilweise ungenutzt – die Unterauslastung lag bei bis zu 25 Prozent. 

Neben den Kritikpunkten enthielt der Abschlussbericht grundlegende Empfehlungen und Handlungsanweisungen. Die Saarbrücker Fachhochschule sollte für Abiturienten und insbesondere für Frauen attraktiver werden. Weiterhin sollte eine moderne, fächerübergreifende und langfristige Marketingstrategie entworfen werden. Hierbei war Rektor Cornetz klar: „Wer werben will, braucht eine Ware.“ Ohne das technische Profil aufzugeben, musste ein Studienangebot gefunden werden, das Interessenten anlockt, die sich für das „klassische“ Fächerangebot bisher nicht begeistern konnten.

Die HTW sollte grundlegend umstrukturiert werden. Anstelle der Fachbereiche empfahl die Sachverständigenkommission die Gründung übergeordneter Institute, die mehrere Fachbereiche zusammenfassen sollten. Ein modernes Qualitätssicherungssystem sollte eingeführt werden, um Feedback von den Dozierenden und den Studierenden entgegenzunehmen und Trends effizienter erkennen zu können. Sobald wie möglich sollten auch die Studiengänge auf die neue Bachelor- und Masterstruktur umgestellt werden.

Positiv schätzte die Sachverständigenkommission dagegen den Zeitpunkt der Reformen ein. Da in den darauffolgenden zehn Jahren etwa die Hälfte der Professoren emeritiert werden würde, war das „Potential für Umwidmungen“ entsprechend groß. Insofern musste an der HTW „nichts eingespart oder eingedampft“ werden. 

HTW-Rektor Cornetz schloss sich der Einschätzung an: „Wir müssen unser Angebot attraktiver machen und moderner werden.“ Alles müsse im Konsens mit der Professorenschaft passieren, deren Meinungsbild er folgendermaßen zusammenfasste: 

Hier herrscht Aufbruchstimmung!

Prof. Dr. Wolfgang Cornetz, 2002

2003-2005

Am 20. Mai 2003 wird die Kommunikationsinformatik der HTW als Bachelor- und als Master-Studiengang von der ASIIN (Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik e.V.) akkreditiert. Damit kann die HTW die ersten akkreditierten Studiengänge im Saarland vorweisen. 

Im selben Jahr führt die HTW das Kooperative Studium ein, bei dem Studierende parallel zum Studium in einem Unternehmen praktische Erfahrungen sammeln.

2004 betrat die HTW Neuland. Der neue Bachelor-Studiengang "Management und Expertise für Pflege- und Gesundheitsfachberufe" war im ersten Jahr bis auf den letzten Studienplatz ausgebucht. Rektor Cornetz erklärte: "Für die HTW öffnet sich mit den Studienangeboten 'Pflege und Gesundheit' und 'Biomedizinische Technik' ein neuer Horizont, der uns auch noch näher mit unseren Kooperationspartnern Universitätsklinikum, Universität des Saarlandes, Katholische Hochschule für Soziale Arbeit, Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik und vor allem auch mit neuen Bereichen der Versorgungspraxis zusammenbringt."

Mit Beginn des Wintersemesters 2004/05 führte die HTW neue Studiengänge ein: neben den Bachelor-Studiengängen Management und Expertise für Pflege- und Gesundheitsberufe und Internationales Tourismus Management wurden die Master-Studiengänge Biomedizinische Technik und Engineering und Management eingerichtet. Die Sensor- und Feinwerktechnik wurde als Mechatronik/Sensortechnik angeboten, der Maschinenbau nahm als Maschinenbau und Prozesstechnik den Studiengang Energie- und Verfahrenstechnik auf.

Die systematische Umstellung aller Studiengänge auf Bachelor bzw. Master geschah vollständig zum Wintersemester 2005/06. Die HTW war damit im Vergleich zu anderen Hochschulen eine der ersten, die auf die neuen Studiengänge umgestellt hatte. Seit der Umsetzung des Bologna-Prozesses können an der Hochschule europaweit vereinheitlichte Bildungsabschlüsse erworben werden, die sowohl zum Direkteinstieg in ein Unternehmen als auch zur Promotion führen.

2006-2007

2006 wurden die Sozialwissenschaften an der HTW eingeführt. Der Beschluss des Trierer Bistums im Jahr 2004, die seit 1964 existierende Katholische Hochschule für Soziale Arbeit (KHSA) zu schließen, bedeutete das Aus für das einzige Studienangebot im Bereich der sozialen Arbeit im Saarland. Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft wollte das nicht geschehen lassen und fand in der HTW einen Partner, mit dem sich das Studienangebot auf einer modifizierten Basis halten ließ. Das bisherige Erfolgskonzept Soziale Arbeit wurde um die hochaktuelle Facette der Pädagogik der Kindheit ergänzt, um ein noch zukunftsfähigeres Studienangebot zu schaffen, das auf aktuelle gesellschaftliche Prozesse reagiert. 2008 warb die Hochschule Drittmittel des Bistums Trier ein, um zwei Stiftungsprofessuren für Sozialwissenschaftliche Grundlagen sowie Sozialpolitik und Evaluation einzurichten. Am Ende des gleichen Jahres war der Integrationsprozess abgeschlossen und am 31. Dezember 2008 wurde die KHSA endgültig geschlossen.

2007 stellt die HTW mit einer weiteren Portfolio-Erweiterung erneut ihren Pioniercharakter unter Beweis mit der Einführung des Bachelor-Studiengangs Aviation Business (Studium und ATPL) – einem einmaligen Studiengangebot in Europa. Im Luftfahrtwesen setzte sich immer stärker die Erkenntnis durch, dass es zukünftig nicht mehr reichen werde, „nur“ zum Pilot*in ausgebildet zu sein. Flugzeugführer sollten über fundierte Ingenieur- und Management-Kenntnisse verfügen. An diesem Punkt setzt der neue Studiengang der HTW in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Friedhelm Schwan von der European Institute of Aviation and Business gGmbH (EIAB) an. Der Bachelor-Studiengang "Aviation Business - Piloting and Airline Management" kombiniert eine Hochschulausbildung mit der Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer*in. Damit bietet die HTW nicht nur einen neuen Studiengang an, sondern auch eine völlig neuartige Integration von Management und ingenieurwissenschaftlichen Komponenten, verknüpft mit einer Verkehrsflugzeugführerlizenz. Dies erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Pilot*innen und bietet den Zugang zu weiteren Karrieremöglichkeiten im Managementbereich einer Fluggesellschaft oder in einem luftfahrtnahen Unternehmen.

2007 wurde das Bachelor-Angebot um die neuen Master-Studiengänge Architektur, Mechatronik/Sensortechnik und Praktische Informatik erweitert. Zugleich wurde in diesem Jahr das Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung gegründet, das Weiterbildungsangebote anbietet.

Änderungen in der Hochschulleitung gab es aufgrund der Novellierung des Fachhochschulgesetzes von 2006: die HTW konnte zwei Prorektoren ernennen. In der Senatssitzung vom 7. Februar 2007 wurden Prof. Dr. Günter Schultes als Prorektor für Forschung und Wissenstransfer und Prof. Dr. Enrico Lieblang als Prorektor für Studium und Lehre gewählt.

2008-2010

Seit 2008 verfügt die Hochschule über einen ergebnisbezogenen Globalhaushalt. Dafür wurde mit der Landesregierung im August 2007 eine erste Ziel- und Leistungsvereinbarung bis 2010 getroffen. Das ermöglicht der Hochschule eine größere Flexibilität, da sie über den durch das Land bewilligten Betrag autonom verfügen kann – solange sie sich dabei an die festgeschriebene Ziel- und Leistungsvereinbarung hält. 

2008 starten Planungen für den Neubau der Halle 6 (heute Technikum) und die Sanierung und Umnutzung des Hauses der Gesundheit zum Lehr- und Servicegebäude mit Parkpalette, des Zentralgebäudes (heute Gebäude 10) sowie zur Umgestaltung und Verschönerung der Campusallee.

2009 setzte die Hochschule weitere Kritikpunkte der Sachverständigenkommission um: Zunächst wurden die Fakultäten als neue Struktur der Lehr- und Verwaltungseinheiten eingerichtet. Während es zuvor noch sieben Fachbereiche gegeben hatte, gab es fortan nur noch vier Fakultäten: Die Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, die Fakultät für Ingenieurwissenschaften, die Fakultät für Sozialwissenschaften und die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Die neue Struktur vereinfachte die bis dahin komplexe Verwaltung und ebnete der HTW den Weg zur internationalen Vergleichbarkeit. Aus heutiger Sicht war die Verschlankung der Hochschulorganisation ein Erfolg. Ohne den familiären Charakter einzubüßen, wuchsen die ehemaligen Fachbereiche zusammen. Heute können strategische Entscheidungen schneller und effizienter getroffen werden.

2010 bietet das IWW (Institut für Wissen in der Wirtschaft) mit Service Center Management und Energiemanagement die ersten berufsbegleitenden Bachelor-Studiengänge im Saarland an.

2010 wird die Halle 6 abgerissen.

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