Die FITT gGmbH als Schnittstelle für die Gestaltung des sozialen Wandels

Text: Stefan Klingler, Caren Kremser, Karin Meißner, Mirjam Schwan, Neda Sheytanova, Stefanie Valcic-Manstein, Wolfgang Vogt 

Vor 15 Jahren hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) ›Zuwachs‹ bekommen mit einer sozialwissenschaftlichen Fakultät. Mit den Departments ›Pflege und Gesundheit‹ und ›Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit‹ hat sich das Spektrum der angewandten Wissenschaften in Bereiche erweitert, die für das gesellschaftliche Zusammenleben in einem modernen Staat nicht weniger entscheidend sind als Fragen des technologischen Fortschritts und der Zukunft des Wirtschaftens. Darüber hinaus gehören die Gesundheits- und die Sozialwirtschaft zu jenen Sektoren, in denen überproportional viele neue Arbeitsplätze entstanden sind und zukünftig entstehen werden. Vor dem Hintergrund dieser Dynamik ist es wenig verwunderlich, dass Wissenschaftler und Institute der Fakultät Sozialwissenschaften in Kooperation mit der FITT gGmbH, dem Wissens- und Technologietransferinstitut der htw saar, seit 2005 ihre Vorhaben angewandter Forschung, des Transfers von Wissen und der Entwicklung praxisrelevanter Konzepte, Verfahren und Strukturen realisieren. Das Drittmittelvolumen der sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Transferprojekte liegt seit Jahren bei rund 3 Millionen Euro jährlich.

An vier Beispielen aktueller Projekte wird im Folgenden veranschaulicht, wie das soziale Miteinander und der sich beschleunigende gesellschaftliche Wandel im Saarland und über die Landesgrenzen hinaus bei FITT mitgestaltet wird.

Kinder und Jugendliche vor Ausgrenzung und Diskriminierung schützen

Mit der cts Jugendhilfe GmbH und dem Diakonischen Werk an der Saar gGmbH unterstützt FITT zwei maßgebliche Jugendhilfeträger im Saarland darin, den vielfältigen und immer wieder neuen Anliegen und Bedarfen im professionellen Umgang mit Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen besser gerecht zu werden. Folgende Fragestellungen stehen im Zentrum des Vorhabens: Wie müssen Konzepte und Praxis gestaltet sein, um unterschiedlichen Lebenswelten professionell und frei von Vorbehalten und Zuschreibungen zu begegnen? Wie müssen sich Organisationen aufstellen, um Benachteiligungen und diskriminierenden Verhältnissen entgegenwirken zu können? Und wie müssen sie arbeiten, um auch Jugendlichen selbst die Achtung im Umgang mit Vielfalt zu vermitteln und sie noch besser darin zu unterstützen, ihr Leben selbstbewusst und selbstbestimmt zu gestalten? In gemeinsamen Prozessen werden dazu Strategien erarbeitet, um die Einrichtungen auch in Zukunft fit für Vielfalt zu gestalten.

 

Fachkräfteeinwanderung für alle Unternehmen ermöglichen

Die Vielseitigkeit der FITT gGmbH zeigt sich auch in dem Projekt ›Fachkräfteeinwanderung Saar‹ (FE Saar), welches zum 1. Mai 2020 unter Trägerschaft der Agentur für Arbeit Saarland gestartet ist. ›FE Saar‹ ist Teil des Landesnetzwerks ›Integration durch Qualifizierung‹ (IQ) und macht sich für Unternehmen stark, indem sie diese in allen Aspekten der Fachkräfteeinwanderung berät und unterstützt.

Das Thema Fachkräftegewinnung stellt Arbeitgeber bereits heute vor neue Herausforderungen. ›FE Saar‹ leistet hier einen substanziellen Beitrag zur Entwicklung und Begleitung eines flächendeckenden, regionalen Fachkräftenetzwerkes für alle Arbeitsmarktakteure, aber auch für die Zuwanderer im Saarland. Ziel ist es, die Prozessabläufe im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) unter den Akteuren im Saarland abzustimmen sowie interessierte Unternehmen im Vorhinein umfassend zur Fachkräfteeinwanderung zu beraten und während des Prozesses der Fachkräftegewinnung intensiv zu begleiten. Dazu gehört zum Beispiel auch eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Zentralen Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) in Bonn. Darüber hinaus werden die Arbeitgeber, die bereits erfolgreich eine Fachkraft gewinnen konnten, auch bei der darauffolgenden Integration der Fachkraft in ihr Unternehmen unterstützt. Hierdurch soll die sozioökonomische Integration der ankommenden Fachkräfte und somit auch deren Chancen für eine verbesserte ökonomische, soziale, politische und kulturelle Teilhabe im Saarland gefördert werden. Daneben bietet das Projekt auch für Arbeitgeber Sicherheit im Hinblick auf einen langfristigen Aufenthalt und somit Einbindung der neuen Mitarbeiter*innen im Unternehmen.

Verständigung in internationalen Belegschaften sichern

Mit der Arbeitsstelle Deutsch, die ebenfalls im IQ-Programm ihren Ursprung hat, entwickelt die FITT gGmbH sich zu einer bundesweit und zunehmend auch international anerkannten Einrichtung für qualifizierte, berufsbezogene Deutschförderung im Bereich der Pflege- und Gesundheitsberufe. Dreh- und Angelpunkt ist das ›Integrierte Fach- und Sprachlernen‹, das aus der Erkenntnis heraus entstanden ist, dass fachliches und sprachliches Lernen wesentlich besser funktionieren, wenn beides hochintegriert erfolgt. In den letzten Jahren sind zahlreiche praxisorientierte Konzepte entstanden und Pilotvorhaben durchgeführt worden. Darüber hinaus werden Sprachlehrkräfte (und zunehmend auch Fachlehrkräfte) geschult, um mit den Konzepten auch erfolgreich lehren zu können. Dies geschieht in unterschiedlichen Projektkontexten und für eine immer breitere Palette von Berufen, wie beispielsweise Humanmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Pflegefachkräfte, und zwar sowohl in der beruflichen Anerkennung als auch in der Ausbildung und im betrieblichen Alltag.

 

Gründern aus aller Welt zum Erfolg verhelfen

Der Projekttitel ›Perspektive Neustart‹ ist Programm: Ein Jahr lang werden angehende Gründer, die im Saarland zu- und eingewandert sind, intensiv auf dem Weg in die wirtschaftliche Selbstständigkeit begleitet und unterstützt.

Die beeindruckende Gründungsquote, die positive Entwicklung der jungen Unternehmen und insbesondere die Entwicklung der Teilnehmer*innen unterstreichen den großen Erfolg dieses Vorhabens. Dieser ist allerdings hart erarbeitet, denn die Anforderungen an die Gründungsinteressierten aus aller Welt sind hoch: Von der Bewerbung, um ins Projekt aufgenommen zu werden bis zur Präsentation der Gründungs-vorhaben, um potenzielle Kapitalgeber zu überzeugen, müssen viele Hürden genommen werden, die einen extrem hohen Grad an Selbstständigkeit und Motivation erfordern. Wer am Projekt teilnimmt bzw. sich kooperativ beteiligt, lernt auch, mit Diskriminierungen und Alltagsrassismen umzugehen, die ständige Begleiter der Gründungsvorhaben sind. Durch die Kooperation mit Unternehmen im Projektnetzwerk entwickeln sich parallel zum eigentlichen Projektziel immer wieder Chancen für die internationalen Teilnehmer*innen, eine ihren Qualifikationen entsprechende, berufliche Tätigkeit in Partnerunternehmen zu finden. Insgesamt gelingt es trotz der oft schwierigen Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen, dass die Fachkräfte und Entrepreneure an ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen anknüpfen und ihre internationalen Kompetenzen als Mehrwert in unserer Region einbringen.

Wissens- und Technologietransfer erfolgreich umsetzen

Neben den Querschnittsthemen der Wissens- und Technologietransfer sowie der Gründungsberatung ist es die Kernkompetenz der FITT, die solide kaufmännische Administration von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sicherzustellen. Dafür steht die FITT gGmbH seit über 20 Jahren. Sie bietet Wissenschaftler*innen aller Fachbereiche der htw saar damit ein bewährtes Instrumentarium und eine Plattform für die Umsetzung von Projekten zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen in Kooperation mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteur*innen. Die Projekte verteilen sich thematisch über alle Fakultäten der htw saar, mit besonderem Fokus auf der interdisziplinären Zusammenarbeit. Damit leistet die FITT gGmbH einen wichtigen Beitrag zu Innovation und Wandel, und das weit über technische Fragestellungen hinaus.

Fotos: Stefanie Morsch

Einstellungen
die-fitt-ggmbh-als-schnittstelle-fuer-die-gestaltung-des-sozialen-wandels

htw saar
Hochschule für
Technik und Wirtschaft
des Saarlandes

University of
Applied Sciences

Kontakt

Hochschule für Technik und Wirtschaft
des Saarlandes
Goebenstraße 40
66117 Saarbrücken

Telefon: (0681) 58 67 - 0
Telefax: (0681) 58 67 - 122
E-Mail: info@htwsaar.de

Aufsichtsbehörde:
Staatskanzlei des Saarlandes

Folge uns