Leitfaden Promotion
Übersicht und Basisinformationen

Für wen macht es Sinn, über eine Promotion nachzudenken?

  • Wenn Sie eine akademische Laufbahn anstreben, oder
  • wissenschaftlich (forschend) tätig sein wollen, oder
  • mit der Promotion bessere Karrierechancen verbinden (Spitzenpositionen in Unternehmen, Selbstständigkeit)

 

Was genau ist eine Promotion?

„Die Promotion dient dem Nachweis der Befähigung zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit durch eine originäre Forschungsleistung. Zur Selbständigkeit gehört auch der Nachweis kommunikativer Kompetenz, um im beruflichen Alltag als Wissenschaftler innerhalb und außerhalb der Hochschulen bestehen zu können.“*

„In der Dissertation ist ein inhaltlich abgegrenztes Thema mit angemessenen Methoden so zu bearbeiten, dass dabei ein wissenschaftlicher Erkenntniszuwachs entsteht.“*


 

Voraussetzungen

Der Masterabschluss berechtigt zur Promotion, unabhängig davon, ob er an einer Fachhochschule oder einer Universität abgelegt wurde.

Die Notenerfordernisse werden individuell in den Promotionsordnungen der Fakultäten der einzelnen Universitäten geregelt. Meist werden keine konkreten Zahlenangaben gemacht. Häufig findet sich Wortlaute wie z.B. „außerordentlich qualifiziert“, „ausgezeichnet qualifiziert“, „hervorragend qualifiziert“ , „weit überdurchschnittliche Leistungen“, „deutlich überdurchschnittliches Examen“ bis „Prädikatsexamen“. Gerade im Zusammenhang mit der Zulassung von Fachhochschulabsolventinnen und – absolventen gilt: je besser, desto besser. In Zahlenwerten steigen die Chancen zwischen den Endnoten 2,2 bis 1.0.

 

Dauer der Promotion

Die Dauer einer Promotion ist – von Fach zu Fach und abhängig von den  Rahmenbedingungen –  unterschiedlich lang. In der Regel  sind es drei bis fünf Jahre. Eine sehr gute Betreuung trägt maßgeblich dazu bei, die Promotionsphase in einer angemessenen Zeit zu realisieren. Aber auch die reine Arbeitszeit des/der Promovenden/Promovierenden, die Zeit zur eigentlichen Forschungsarbeit,  beeinflusst die Dauer in erheblichem Maße. Häufig übernehmen Wissenschaftliche Mitarbeiter Sonderaufgaben an Lehrstühlen, Fakultäten (s. Formen der Promotion) oder müssen Arbeitszeiten zur Finanzierung der Promotion einkalkulieren, die einen Abschluss verzögern.

 

Formen der Promotion

1. Individualpromotion: Der „Klassiker“

Bei der individuellen Promotion  wird die Doktorarbeit in Betreuung bei einem einem/einer  Professor/in, erstellt, ohne in ein organisiertes Programm mit verpflichtenden Ausbildungselementen eingebunden zu sein. Deswegen spricht man häufig von einem „Lehrer-Schüler-Modell“. Die Doktoranden promovieren am Lehrstuhl und sind abgesehen von der Betreuung durch den/die Professor/in,  mehr oder minder auf sich allein gestellt. Entsprechend erfordert diese Form des Promovierens ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenmotivation.

Innerhalb der Individualpromotion wird zwischen interner und externer Promotion unterschieden:

a) Interne Promotion

Bei dieser Form erhält der/die Promovierende eine bezahlte Anstellung am Lehrstuhl. Dies muss nicht zwingend ein Vollzeitvertrag sein. Häufig werden auch Teilzeitverträge mit den Professoren bzw. Fakultäten getroffen.  In der Regel übernehmen die Doktoranden neben ihrer Forschungstätigkeit weitere Aufgaben am Institut bzw. am Lehrstuhl wie z.B. Lehrverpflichtungen, Klausuraufsichten und vorbereitende Klausurauswertungen. Sofern die Wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht über externe Forschungsprojektträger gefördert werden, können Doktoranden bis zu 6 Jahren beschäftigt werden.

b) Externe/freie Promotion

Bei einer externen Promotion erhält der/Promovend/Promovendin keine Anstellung, der/die Professor/in beschränkt sich auf die reine Betreuung der Doktor- bzw. Forschungsarbeit. Die externe Promotion ist vor allem im Bereich der Geisteswissenschaften verbreitet. Sie hat den Nachteil, dass der Promovend für die Zeit von 3 – 5 Jahren alternative Finanzierungsmöglichkeiten sicherstellen muss. Häufig beklagen die Doktoranden, dass ihnen der fachliche und menschliche Austausch mit anderen Doktoranden am Lehrstuhl bzw. in der Fakultät fehlt.

 

2. Strukturierte Promotionsprogramme

Bei strukturierten Promotionsprogrammen sind die Promovierenden in ein vordefiniertes Ausbildungsprogramm eingebunden. Sie besuchen meist eine bestimmte Anzahl an Veranstaltungen, legen regelmäßig Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit vor und nehmen auch an Fort- und Weiterbildungen (z.B. Seminare für wissenschaftliches Schreiben) teil.
Die Vorteile strukturierter Programme liegen in einem zügigen Ablauf des Programms; die Promotion wird i.d.R. innerhalb von drei Jahren abgeschlossen. Darüber hinaus sichert die strukturierte Ausbildung eine intensive Betreuung, eine frühe Integration in die Scientific Community und eine geregelte Finanzierung, z.B. über ein mit dem Promotionsprogramm verbundenen Stipendium oder eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Graduiertenkollegs und Graduiertenschulen zählen auch zu den strukturierten Programmen. Graduiertenkollegs sind meist kleinere, befristete Organisationseinheiten, in denen Wissenschaftler zu einem bestimmten Thema zusammen kommen. Graduiertenschulen hingegen sind größere Institutionen, der Uni angegliedert, thematisch/fachlich breiter aufgestellt und nehmen eine größere Anzahl von Promovierenden auf.

 

3. Kumulierte Promotion

Die kumulierte Promotion kommt an deutschen Hochschulen nur selten vor. Darum gibt es auch kein standardisiertes Verfahren. Im Gegensatz zur klassischen Promotion wird bei der kumulierten Promotion der Doktorgrad nicht aufgrund einer Dissertationsschrift in Form einer Monographie verliehen, sondern aufgrund einer hohen Publikationsleistung. Verschiedene Publikationen in möglichst renommierten Fachzeitschriften werden als ein zusammengehöriges Gesamtwerk begriffen und dementsprechend gewertet.

Die Fachartikel werden vor der Veröffentlichung von Fachgutachter/innen auf ihre Qualität geprüft (Peer Review). Vor allem in den Natur- und  Sozialwissenschaften spielen lange Publikationslisten in Fachzeitschriften eine wichtige Rolle. Da dieses Verfahren aber kaum kalkulierbar ist und selten zur Anwendung kommt, stellt es eine Sonderform der Promotion dar.

 

4. Promotionen im Ausland

Für Promotionen, die zum überwiegenden Teil oder komplett im Ausland erbracht werden, gelten spezielle Regelungen. In der Regel helfen hier die Auslandsämter der Universitäten weiter.

 

5. Binationale Promotion bzw. „Cotutelle Promotion“

Im binationalen Promotionsverfahren erwirbt der Doktorand bzw. die Doktorandin einen Doktorgrad, der von zwei Hochschulen in unterschiedlichen Ländern verliehen wird. 1994 setzte die französische Regierung mit der binationalen Promotion deutliche Impulse; entsprechend sind es häufig französische Partnereinrichtungen, mit denen Abkommen zu einem „Cotutelle de thèse“ bestehen. Die häufige Annahme, es würden mit einer binationalen Promotion gleich zwei Doktortitel erworben, trifft nicht zu. 

Eine Cotutelle-Promotion ist vor allem für solche Nachwuchswissenschafter/innen von Bedeutung, die  eine internationale Karriere anstreben und entsprechend eine wissenschaftliche Anbindung in die beteiligten Länder sicherstellen möchten.

 

6. Industriepromotion

Industriepromotionen sind eine interessante Alternative zur reinen akademischen Qualifikation, vor allem für Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und einige mehr. Die Promotion wird im Unternehmen durchgeführt und dabei von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern betreut. Promovieren im Unternehmen bedeutet in aller Regel, dass das Thema für das Unternehmen interessant und sinnvoll sein muss und entsprechend vorgegeben wird. Dies schränkt die persönliche Themenwahl des/der Nachwuchswissenschaftlers /-wissenschaftlerin ein; positiv ist die Praxisnähe und die Verdienstmöglichkeiten während der Forschungstätigkeit.  

 

Was ist nun eine kooperative Promotion und in welcher Form promovieren dort FH-Absolvierende?

Kooperative Promotionsverfahren basieren auf festen Verträgen zwischen  Universitäten und Fachhochschulen. Dabei wird ein FH-Absolvent bzw. eine FH-Absolventin an der Universität nach Maßgabe ihrer persönlichen fachlichen und formalen Voraussetzungen zur Promotion angenommen. Erstbetreuung und Erstbegutachtung leistet in jedem Fall die Universität. Abhängig von den Verträgen wird auch ein Zweitgutacher durch die Universität gestellt; in manchen Kooperationsverträgen fungieren die Fachhochschulprofessor/innen als Zweitgutachter. 

FH-Absolvierende können dabei sowohl als Individualpromovierende angenommen werden als auch an strukturierten Programmen teilnehmen. In der Regel sehen Kooperative Promotionsverfahren zusätzlich sog. Eignungsfeststellungsverfahren vor. Dabei absolviert der/die Promovierende gesonderte Prüfungen, belegt Seminare, Workshops o.ä., um bestimmte wissenschaftliche Qualifikationskriterien zu erfüllen.

 

 

Finanzierung der Promotion

1. Wissenschaftliche Mitarbeit in Forschung und Lehre

Die meisten Doktorand/innen finanzieren ihre Promotion über ihre Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiter/innen an Lehrstühlen oder Forschungseinrichtungen. Daneben ist auch eine Beschäftigung als wissenschaftliche  Hilfskraft möglich.  Die Besoldung der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen richtet sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Der Stundenlohn einer wissenschaftlichen Hilfskraft wird vom Bundesland, teilweise auch von der Hochschule festgelegt und liegt – abhängig von der Qualifizierung des Bewerbers – zwischen 9 Euro und 15 Euro pro Stunde.

2. Projektstellen

Projektstellen sind Drittmittelstellen, die von Unternehmen oder Gesellschaften finanziert werden. Allein oder mehrere Wissenschaftler/innen betreuen ein Forschungsprojekt, das mit dem Thema der Dissertation verknüpft sein sollte. Der Verdienst und die Länge der Anstellung ist abhängig von den Geldgebern.

3. Begabtenförderungswerke

Die Begabtenförderungswerke wie z.B. das Doktorandenstipendium der deutschen Telekom Stiftung vergeben Stipendien für Promovenden. Die Einkünfte liegen etwa bei  1.050 Euro im Monat, neben Zuschüssen für Auslandsaufenthalte, Kinderzuschläge und einer geringen Forschungskostenpauschale. Die Beschäftigungsmöglichkeiten neben dem Stipendium sind stringent geregelt, der Promovierende muss sich zudem selber versichern.

4. Förderung nach dem Landesgraduiertengesetz

Jedes Bundesland vergibt Individualstipendien an Promovierende mit exzellentem Examen, sofern diese glaubhaft machen können, dass deren Doktorarbeiten einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft leisten. Über die Förderung entscheiden meist die Universitäten. Das Stipendium wird zunächst für ein Jahr bewilligt und umfasst etwa 600 bis 900 Euro pro Monat plus Kinderzuschlag und einen Zuschuss zu Sach- und Reisekosten.
Zusätzlich vergeben die meisten Bundesländer auch sogenannte Abschlussstipendien für Promovierende, deren Vertrag ausläuft, bevor sie ihre Dissertation abschließen konnten. Mit dem Abschlussstipendium haben die Promovierenden bis zu einem Jahr Zeit, um die Doktorarbeit zu beenden.

5. Forschungsgesellschaften

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt zahlreiche Graduiertenkollegs. Für einen Teil der Kollegiaten gibt es Promotionsstipendien, ca. 1.000 Euro im Monat plus Sachkostenzuschuss. Die maximale Förderdauer beträgt 3 Jahre. Auch die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft haben eigene Research Schools und Graduiertenkollegs mit Promotionsstipendien.

6. DAAD-Promotionsstipendien

Gefördert werden sowohl Dissertationen, die gemeinsam mit einem ausländischen Professor oder einer ausländischen Professorin, betreut werden als auch Kurzstipendien, die maximal für ein halbes Jahr vergeben werden, um im Ausland Archiv- oder Bibliotheksreisen, Feldforschung oder Versuchsreihen durchzuführen.

7. Sonstige Möglichkeiten: Preise für Abschlussarbeiten

Berufs- und Wirtschaftsverbände, Universitäten und Freundeskreise bzw. Förderer von Universitäten vergeben häufig mit einem Geldbetrag dotierte Förderpreise. Im e-fellows.net wiki gibt es eine Liste mit allen Förderpreisen. Vor- und Nachteil: ein Preis macht sich auf der Karriereleiter sicherlich gut, die Fördersumme kommt allerdings erst im Nachhinein, bei entsprechend herausragender Arbeit.

 

Ablauf einer Promotion


Ansprechpartner

Mike Herrmann, M.A.

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