Denise Caspar



"Mein Rat ist, über den Schatten springen und ausprobieren."

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?

Meine Eltern hatten eine Bäckerei und drei Töchter. Ich bin also zum Großteil ohne die klassischen Rollenbilder aufgewachsen, da jede bei allem mithelfen musste. Ich habe mich schon früh für handwerkliches Arbeiten interessiert und später in der Schulzeit für Technik und Naturwissenschaften. Dazu kommt, dass ich seit meinem 6. Lebensjahr Pfadfinderin bin. In diesem geschützten Umfeld nur für Mädchen kann man sich in vielen Dingen ausprobieren und „Learning by doing“ geht einem in Fleisch und Blut über.

Welche praktischen Erfahrungen hatten Sie bereits vor oder während des Studiums gesammelt?
Vor Studienbeginn besuchte ich bereits einige Mädchenaktionstage an der Universität des Saarlandes und der TU Kaiserslautern. Außerdem absolvierte ich ein dreimonatiges Praktikum in einer Schlosserei. Während des Studiums an der htw saar gab es einiges an praktischer Erfahrung. Ich konnte z. B. den ersten Teil der Ausbildung zur Schweißfachingenieurin als Wahlfach absolvieren. Zu meiner jetzigen Arbeit bin ich durch eine Kooperation der htw saar mit der Fa. HYDAC gekommen. Ich habe erst bei HYDAC einen Kurs zur Hydraulik als Wahlfach belegt und später dort meine Masterthesis geschrieben.

Durch welche Netzwerke oder Hochschulprogramme wurden Sie unterstützt?
Neben meinem Studium war ich wissenschaftliche Hilfskraft der Frauenbeauftragten. Dadurch bekam ich viele Einblicke hinter die Kulissen der Hochschule und konnte bei verschiedenen Gremiensitzungen und Podien zum Thema Frauen in Ingenieurstudiengängen oder -berufen dabei sein. Das htw saar Austauschprogramm mit der Partneruniversität in Virginia (USA) ermöglichte mir meine Praxisphase und meine Bachelorarbeit im Ausland. Das kann ich nur jeder*jedem empfehlen. Nicht nur wegen der Sprachkenntnisse, sondern auch durch die Selbstständigkeit, die man erlernt, und der Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern.

Wo und in welcher Position arbeiten Sie?
Ich arbeite im technischen Vertrieb im Bereich Kühlsysteme. Ich berate die Kundschaft bzgl. Lösungen zu komplexen Kühlaufgaben wie z. B. Planung eines Gesamtkonzepts zur Kühlung einer ganzen Fertigung oder bei der Entwicklung einer neuen Maschine, aber auch bei der Auswahl von Kühlern oder Kühlsystemen. Häufig durch Anfragen per E-Mail oder telefonisch. Besuche direkt vor Ort sind selbstverständlich, um mir ein Bild zu machen und die verschiedenen Möglichkeiten durchzusprechen, aber auch nach der Auslieferung Hilfestellung zu leisten. Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich und für mich genau die richtige Mischung zwischen Arbeiten im Büro und unterwegs sein – wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht. Eine schnelle Auffassungsgabe ist maßgeblich, da in kürzester Zeit verschiedenste Anfragen und Anforderungen anfallen. Neue Herausforderungen gehören zur Tagesordnung, auch in kritischen Situationen muss ein „kühler“ Kopf bewahrt werden. Da ich international tätig bin, geht ohne Englisch natürlich nichts. Mein Auslandsaufenthalt während des Studiums kommt mir hier zu Gute. Für mich persönlich ist bei der Arbeit der Umgang mit ganz unterschiedlichen Menschen und Berufsgruppen entscheidend. Ich kann versuchen, trotz der ganz unterschiedlichen technischen Vorkenntnisse, komplexe Sachverhalte zu vermitteln und die Menschen für die Gesamtlösung oder das Produkt zu begeistern.

Welche Erfahrung haben Sie bisher mit dem Arbeiten in einem MINT-Beruf gemacht?
Zu Beginn im technischen Vertrieb gab es schon schwierige Situationen. Einige konnten nicht begreifen, dass eine Frau mit 25 Jahren ihnen (mit jahrzehntelanger Erfahrung!) bei einem technischen Problem weiterhelfen kann. Ich wurde für die Sekretärin gehalten oder Aussagen von mir wurden hinterfragt bzw. mit einem Kollegen abgeklärt. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil: dass man herausgestellt wurde, weil man eine Frau ist, obwohl man doch einfach nur seine Arbeit gemacht hat. Mein persönliches Highlight war, als jemand zu mir sagte „das haben sie sehr gut gemacht für eine Frau“. Aber es gibt auch viele positive Erlebnisse, z. B. wenn Kund*innen sich für die gute Beratung oder die Lösung eines Problems bedanken, wenn Kolleg*innen einen um Rat oder Hilfe bitten, weil sie wissen, dass man kompetent und gleichzeitig empathisch ist.

Welchen Rat haben Sie für Schülerinnen im Hinblick auf ein MINT-Studium?
Mein Rat ist, über den Schatten springen und ausprobieren. Dazu sollten Angebote wie Informationsveranstaltungen oder Praktika speziell für Schülerinnen besucht werden, um auf die Chancen in einem MINT-Beruf aufmerksam gemacht zu werden. Netzwerke bilden und aktiv sein. Wir als Ingenieurinnen aus dem Vertrieb haben einen „Frauenstammtisch“ gegründet. Eine solche Runde sollte auch von Studentinnen für Studentinnen angeboten werden, um sich besser auszutauschen.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit…
... Wandern, als Pfadfinderin bin ich generell gerne in der Natur. Pilates, als Ausgleich zur überwiegend sitzenden Tätigkeit im Beruf. Treffen mit dem Freundeskreis.

htw saar
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