Prof. Dr. Martina Lehser



"Sie sollte sich mit MINT-Beruflerinnen treffen und mit Fragen löchern! Speziell die Informatik ist das tollste Berufsumfeld für Frauen."

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?
Mathe hat mir in der Schule Spaß gemacht bzw. ist mir leicht gefallen (im Gegensatz zu den Fächern wie Deutsch, Französisch, Geschichte …) In der 12./13. Klasse hab ich zufällig von einem Mathe-nahen Fach erfahren - Informatik - was damals an der UdS gerade entstanden war. Ein Bekannter hat mir dann so begeistert davon berichtet, dass ich das als Fach gewählt hatte. Anekdote am Rand: “Dass du mal als Journalistin zur Zeitung gehen würdest, hätte ich nicht gedacht” - so unsere etwas ältere Nachbarin. Informatik war offensichtlich noch nicht als Computerwissenschaft angekommen. ;-)

Haben Sie an Orientierungs- oder Informationsveranstaltungen im Vorfeld teilgenommen?
Ich hatte nur ein 8-wöchiges Praktikum im Rechenzentrum von Saarberg - was eher abschreckend war durch seine antiquierte Vorgehensweise.

Wo und in welcher Position arbeiten Sie?
Professorin für Informatik an der htw saar, Projekte im Bereich Online-Lehre, Projekte im Bereich Digitalisierung in der Produktion/Industrie 4.0.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?
Mix aus Management von Projekten, Mitarbeiter*innen, Studierenden, Lehre, Projektarbeit, Akquise von Drittmitteln.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für Ihren Beruf?
Vorkenntnisse: Neugier für technische Fragen, wie funktioniert was, was gibt es Neues, …
Interessen: technisches Interesse, immer wieder was Neues lernen, Probleme lösen, … 
Meine Fähigkeiten haben sich im Laufe des Studiums und meiner Berufsjahre sehr stark entwickelt. Zum Beispiel von null Selbstbewusstsein bis zu Auftritten auf Konferenzen oder im Hörsaal vor huderten Studierenden.
Wichtige Fähigkeiten: Ausdauer und Durchhaltevermögen, eigenständiges Arbeiten, strukturiertes Arbeiten.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?
Immer auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein, immer neue Herausforderungen, die Arbeit mit jungen Menschen.
Obwohl ich für Internet-Technologien und Informationssysteme berufen wurde, habe ich relativ früh meine Leidenschaft für Roboter entdeckt, und zwar über eine Kollegin beim Fraunhofer Institut IAIS. Dort wurde geforscht, wie man Interesse an MINT-Fächern über Lego Mindstorms Roboter wecken kann. Das habe ich dann an der htw weiter ausgebaut und heute findet man in unserem Labor-Umfeld jede Menge Roboter: vom Lego-Roboter bis zum großen Industrie-Roboter. 
Schwerpunkt meiner aktuellen Forschungstätigkeiten sind kollaborative Roboter, d. h. wie kann man mit Robotern unmittelbar zusammenarbeiten und wie kann mir ein Roboter assistieren, z. B. in der künftigen Produktion in Industrie 4.0.

Welche Erfahrung haben Sie bisher mit dem Arbeiten in einem MINT-Beruf gemacht?
Ich war in einem Software-Unternehmen beschäftigt. Dort war die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen völlig unkompliziert. Beim Kontakt mit neuer Kundschaft musste man allerdings jedes Mal damit beginnen, sich aus der “Sekretärinnen/Protokollantinnen”-Position auf die entsprechende Fachebene hochzuarbeiten. 
Anekdote am Rande: In einer größeren Runde mit einem Maschinenbau-Kunden (Geschäftsführer/Abteilungsleiter/etc.) hatte mich einer der Kunden gebeten, Gesprächsnotizen zu machen, eine durchaus unübliche Forderung beim Gastgeber. Unser Geschäftsführer dazu: “Gute Idee, Frau Dr. … kann Ihnen dann auch gleich die fachlichen Konzepte und Informationen dazu schreiben.” Rundum waren alle sprachlos, weil eine Frau Doktor (aus dem nicht medizinischen Bereich) hatten sie noch nie erlebt.
Aufstiegschancen sind sehr gut. Die Verträglichkeit mit Familie/Kindern ist sehr gut!

Welche beruflichen Ziele haben Sie?
Möglichst viele junge Menschen, insbesondere Frauen, von MINT-Berufen zu begeistern. 

Welchen Rat haben Sie für Schülerinnen im Hinblick auf ein MINT-Studium?
Sie sollte sich mit MINT-Beruflerinnen treffen und mit Fragen löchern! Speziell die Informatik ist das tollste Berufsumfeld für Frauen. 

Wie könnte die Hochschule Studentinnen aus einem MINT-Studiengang besser unterstützen?
Vernetzung und Aufklärung darüber, dass alles auch nur mit Wasser gekocht wird. 

Haben Sie in Ihrem Leben persönliche Herausforderungen zu meistern?
Es ist immer noch so, dass man sich gegen männliche Kollegen behaupten muss. Man muss immer zeigen, was man drauf hat, um ernst genommen zu werden - auch in der Hochschule!

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit…
Familie

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