Orange the World 2023 - Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!

#16Days: Vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte

In diesem Jahr stellt UN Women Deutschland die Gewalt gegen Frauen und Mädchen im öffentlichen Leben – inklusive der digitalen Welt – in den Fokus der Orange The World Kampagne.

Gewalt gegen Frauen wird in den meisten Fällen von Männern ausgeübt. Die meisten Täter kommen aus dem nahen Umfeld der Frauen: Partnerschaftliche Gewalt ist die häufigste Gewaltform. Typische „Angst-Orte“ von Frauen wie Parks oder dunkle Straßen sind statistisch im Vergleich zur eigenen Wohnung seltener der Tatort. Und doch gehört Gewalt in der Öffentlichkeit für viele Frauen, Mädchen und queere Menschen zum Alltag.

Auf der ganzen Welt erleben und fürchten Frauen, Mädchen und queere Personen psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum. Die Formen reichen von sexualisierten Sprüchen und anzüglichen Gesten über Hasskommentare in den sozialen Medien bis hin zu Vergewaltigung und Femizid. Geschlechtsspezifische Gewalt findet auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln, in (Hoch-)Schulen und am Arbeitsplatz, in Institutionen und Behörden sowie in der digitalen Welt statt.

Die UN-Kampagne „Orange The World“

Die UN-Kampagne „Orange The World“ macht seit 1991 auf Gewalt aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Sie ist seit 2008 Teil der „UNiTE to End Violence against Women“ Kampagne des UN-Generalsekretärs, die von UN Women durchgeführt wird.Dann setzen auf der ganzen Welt Menschen, Organisationen, Städte und Unternehmen mit der Farbe Orange ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen: mit Kleidung, Pins, Aktionen, Beleuchtung, Fahnen, Veranstaltungen uvm.

https://unwomen.de/orange-the-world-2023/

Das Gleichstellungsbüro wird einen Info-Stand zum Orange Day organisieren, an denen über Anlaufstellen und Unterstützungsmöglichkeiten informiert wird. Im Rahmen der Ringvorlesung Gender und Diversity werden in diesem Zeitraum zwei Vorträge zum Thema angeboten:

Am 21. November 2023 referieren Julia Sapelkina (Psychologin MA) und Sonja Bader (Musiktherapeutin BA und Heilpraktikerin HP) vom Frauennotruf Saarland Saarbrücken) zu den Grundlagen sexualisierter Gewalt:

Stell Dich nicht so an, oder? In manchen Situationen sind wir unsicher: War das Kompliment wirklich nett gemeint? War die Berührung o.k. oder doch schon übergriffig? Kann ich meinem Bauchgefühl trauen oder reagiere ich überzogen?

Wie zeigt sich sexualisierte Gewalt eigentlich im Alltag und wie kann ich damit umgehen? Diesem Themenkomplex werden wir uns praxisorientiert und interaktiv nähern und individuelle, alltagstaugliche Antworten und Herangehensweisen entwickeln. Die Schulungsinhalte werden in Form von theoretischem Input und praktischen Übungen vermittelt.

Am 28. November 2023 setzt sich Simon Pfeiffer vom Genderkompetenz-Zentrum mit toxischer Männlichkeit auseinander:

Detox Masculinity

Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Männlichkeitsfragen schreitet voran. Die Einsicht, dass auch Männer nicht als Männer geboren, sondern zu Männern (gemacht) werden, kommt langsam im Mainstream an. „Toxic masculinity“ verankert sich als Begriff im Bewusstsein einer breiteren Bevölkerung. Er macht sichtbar, dass Männlichkeitsnormen hergestellt, reproduziert und verteidigt werden – und macht gleichzeitig deutlich, wie schädlich diese wirken.

In der Vorlesung setzen wir uns mit dem Konstruktionsprozess von Männlichkeit(en) und den ihm inhärenten Machverhältnissen auseinander. Im anschließenden Workshop blicken wir auf unsere eigene geschlechtliche Sozialisation und wollen die Diskussion darüber gehen, ob es eine moderne „gesunde“ Männlichkeit geben kann.

Die Vorlesungen finden als Hybridveranstaltungen statt. Es besteht neben der Teilnahme vor Ort (Raum 10.00.02 - Campus Alt-Saarbrücken) auch die Möglichkeit, den Vortrag live via BigBlueButton (BBB) zu verfolgen. Die Teilnahme an einzelnen Vorlesungen ist für alle Mitglieder der Hochschule sowie externe Interessierte möglich. Die Anmeldung erfolgt über gleichstellung@htwsaar.de .

Die htw saar setzt sich gezielt für Diversität, Gleichstellung und Chancengerechtigkeit ein und fördert eine Organisationskultur, in der individuelle, soziale und kulturelle Vielfalt als Bereicherung und als Qualitätsmerkmal verstanden wird. Hierzu gehört auch die Sicherstellung eines diskriminierungsfreien Umfelds, in welchem insbesondere Gewalt, sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung keine Akzeptanz finden.

Die Richtlinie zur Sicherstellung eines diskriminierungsfreien Studiums sowie einer diskriminierungsfreien beruflichen und wissenschaftlichen Tätigkeit soll zur Schaffung eines gewalt- und diskriminierungsfreien Raums für alle Mitglieder und Angehörigen der htw saar beitragen, betroffene Personen ermutigen, ihre Rechte wahrzunehmen und ihnen die hierfür zuständigen Anlaufstellen sowie den weiteren Verfahrensweg aufzeigen.

 

Zahlen und Fakten zu geschlechtsspezifischer Gewalt[1]

In Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen, das sind mehr als 12 Millionen Frauen.

Alle 4 Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch Ihren Partner oder Ex-Partner. Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin.

48% der Frauen in Deutschland meiden nachts bestimmte Straßen, Plätze oder Parks. 52% meiden nachts den ÖPNV.

70 % der Mädchen haben bereits digitale Gewalt erlebt. Gewalt gegen Frauen ist eine der am häufigsten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Welt. Auch in Deutschland.

Geschlechtsbasierte oder geschlechtsspezifische Gewalt

Geschlechtsbasierte oder geschlechtsspezifische Gewalt (auf Englisch: Gender-based violence, GBV) beschreibt gewaltvolle Handlungen gegenüber einem Individuum oder einer Gruppe von Individuen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Diese Form der Gewalt ist in der Ungleichbehandlung von Frauen, im Missbrauch von Macht sowie in sexistischen Gesellschaftsstrukturen verankert. Der Begriff wird benutzt, um zu verdeutlichen, dass gesellschaftliche Strukturen das Risiko für Mädchen und Frauen erhöhen, bestimmte Formen von Gewalt zu erleben. Auch wenn Frauen und Mädchen überproportional von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, können auch Männer und Jungen Betroffene sein.

Geschlechtsbasierte Gewalt kann sich auch gegen Menschen richten, die bestimmten sozialen Normen und einem binären Geschlechterverständnis nicht entsprechen. Hier wird auch von queerfeindlicher Gewalt gesprochen.

Rape Culture

Der Begriff Rape Culture lässt sich wortwörtlich als „Vergewaltigungskultur“ übersetzen. Dabei bezeichnet „Rape Culture“ das soziale und gesellschaftliche Umfeld, das sexualisierte Gewalt – nicht nur Vergewaltigungen! – normalisiert, ignoriert und verharmlost. Diese Kultur ist tief in patriarchalen Strukturen verankert und wird durch verharmlosende mediale Darstellungen, sexistische Werbung und Witze sowie eine unzureichende Rechtsprechung befördert.

Victim Blaming

Victim Blaming meint die Täter*in-Opfer-Umkehr. Bei Victim Blaming wird die Verantwortung für den erlittenen Übergriff zum Teil oder komplett den Betroffenen zugeschrieben, da diese durch das eigene Verhalten die Tat vermeintlich mitverschuldet hätten. Vor allem Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, wird oft vorgeworfen, sie hätten sich zu freizügig angezogen, wären alkoholisiert gewesen oder hätten dem*der Täter*in im Vorhinein Avancen gemacht. Victim Blaming ist ein grundlegender Bestandteil der Rape Culture und wird gesellschaftlich und in Gerichtssälen als Verteidigungsstrategie genutzt. Denn das vermeintlich „provozierende“ Verhalten des Opfers wirkt sich oft strafmildernd aus. Folglich trägt Victim Blaming wesentlich dazu bei, dass Betroffene nur selten einen Übergriff zur Anzeige bringen.

Sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt beschreibt jede Handlung, durch die eine Person belästigt oder gegen den eigenen Willen zu einer sexuellen Handlung gezwungen wird, zu der sie nicht ihre Zustimmung gegeben hat oder die Einwilligung nicht erteilt werden kann (siehe Gegenseitiges Einverständnis).

Im Gegensatz zu „sexuelle Gewalt“ macht „sexualisierte Gewalt“ deutlich, dass es um Gewalt mit sexuellen Mitteln geht, nicht um Sex. Im Vordergrund geht es um eine Form der Machtausübung und Diskriminierung, nicht um die sexuelle Befriedigung oder einen sog. „Trieb“.

 

 

[1] Quelle: UN Women Deutschland e.V., September 2023

 

Hier erhalten Betroffene Hilfe

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein deutschlandweites Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte. Auch via Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de werden Betroffene kostenlos unterstützt, 365 Tage im Jahr, in 17 Sprachen, rund um die Uhr.

Handzeichen gegen häusliche Gewalt



Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Fälle häuslicher Gewalt rapide angestiegen. Die Canadian Women´s Foundation hat als Antwort darauf ein Handzeichen ins Leben gerufen, bei dem Frauen stumm um Hilfe bitten können. Partnerorganisationen auf der ganzen Welt helfen dabei diese Geste weltweit zu verbreiten.

„Signal for Help“ ist ein einfaches einhändiges Zeichen, das jemand bei einem Videoanruf verwenden kann. Es kann einer Person helfen, stillschweigend zu zeigen, dass Hilfe benötigt wird und möchte, dass sich jemand auf sichere Weise bei ihr meldet, dabei umschließen 4 Finger einer Hand den Daumen.






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