Universitäten aus Myanmar zu Gast an der htw saar

Im Rahmen des Programms „Fact Finding Mission“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) folgte erstmalig eine sechsköpfige Delegation aus Myanmar der Einladung von Prof. Dr. Martha Meyer nach Deutschland, um sich an der htw saar und in saarländischen Einrichtungen des Gesundheitswesens über die unterschiedlichen Versorgungsstrukturen und den Stand des Pflegestudiums in Deutschland zu informieren.

Zu den Zielen und Inhalten einer sogenannten Facts Finding Mission zählen in erster Linie die Anbahnung sowie der Aufbau von längerfristigen Kooperationsbeziehungen zwischen internationalen Hochschulen, hier zwischen den beiden Universities of Nursing in Myanmar und der htw saar, vertreten durch das Department Gesundheit und Pflege der Fakul­tät für Sozialwissenschaften. Weiterhin gehört zum Inhalt dieses Programmschwerpunktes die Präzisierung des weiteren Programmaustauschs mit Multiplikator(inn)en und Entscheidungsträger(in­ne)n, hier der htw saar und weiteren Repräsentant(inne)n des Gesundheitswesens im Saarland. Dazu wurde der Delegation aus Myanmar das deutsche Hochschulsystem vorgestellt, die Strukturen im Pflegestu­dium, das Hochschulcurriculum sowie Beispiele der Hochschuldidaktik. Weiterhin wurden Besuche und Hospitationen in Einrichtungen des Gesundheitswesens durchgeführt, um gesundheitsbezo­gene Versorgungsformen, klinisch-praktische Einsatzgebiete von Pflegestudent(inn)en sowie das duale Ausbildungssystem im Pflege- und Gesundheitswesen kennen zu lernen.

Die hochrangig besetzte Delegation bestand aus den beiden Rektorinnen sowie einer Prorektorin und drei Dekaninnen der beiden Universities of Nursing in Yangon und Mandalay. Die Kontaktaufnahme und der Zugang zu den Universitäten in Myanmar gestalteten sich aufgrund der politischen Situation und der Abschottung des Landes nach außen als außerordentlich „kompliziert“, da Myanmar seit dem Putsch im Jahre 1962 von einer Militärdiktatur regiert wurde. Das Land verstärkt seit der Aufhebung (2012) des durch die EU und die USA verhängten Wirtschaftsembargos auch seine Kontakte nach dem Westen. In einem vorsichtigen Demokratisierungsprozess strebt das Land nun auf allen Ebenen politi­sche und gesellschaftliche Reformen an, von dem auch das Hochschulsystem nicht unberührt bleibt. Es besteht ein großes Interesse, nun auch den internationalen, akademischen Austausch mit westlichen Hochschulen zu forcieren.

Seit 2013 besteht auf Initiative von Prof. Meyer hin bereits eine Kooperationsvereinbarung zwischen der htw saar und den beiden Universities of Nursing in Myanmar. Das Pflegestudium ist dort seit 1991 als Universitätsstudium neu strukturiert worden, mit einem Numerus Clausus belegt (!) und in seinen curricularen Inhalten in enger Kooperation mit der Faculty of Medical Sciences bzw. dem staatlichen Gesundheitsministerium zentral organisiert.

Zum Auftakt des Besuchsprogramms wurden die Gäste aus Myanmar im Palais Roeder durch die Beauftragte der Ministerpräsidentin, Dr. Susanne Reichrath, im Beisein des Dekans der Fakultät für Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Dieter Filsinger, herzlich empfangen. Hier erhielten die Gäste einen „Schnellkurs“ über die föderalen, politischen Strukturen und das Saarland in der Mitte Europas. Besonders beeindruckt war man von der Tatsache, dass wir nur einen Katzensprung zu unseren französischen Nachbar(inne)n entfernt leben und wir so einfach über die Grenze fahren können.

Die große Offenheit und herzliche Aufnahme, die unseren Gästen aus Myanmar von den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Gesundheitseinrichtungen entgegen gebracht wurde, haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das achttägige, randvolle Besuchsprogramm ein voller Erfolg geworden ist. Es ergaben sich intensive Gespräche mit Mitarbeiter(inne)n, Ärzt(inn)en und Pflegedienstleitungen, welche ihre Arbeit sehr engagiert präsentiert haben. Unsere Gäste waren sehr davon beeindruckt, dass ihnen alle „so warm and friendly“ begegnet sind.

Zwei Konferenzen, u.a. mit Vorträgen zur Struktur der htw saar durch den Prorektor, Prof. Dr. Jürgen Griebsch, und Präsentationen der Pflegestudiengänge, vervollständigten das umfangreiche Programm. Der Aufbau und die Struktur des ausbildungsintegrierten Pflegestudienganges mit seiner zugrundeliegenden Lernfeldkonzeption haben einen besonders nachhaltigen und überzeugenden Eindruck hinterlassen. Ein besonderes Highlight war das Treffen der Delegation mit den Studierenden des ausbildungsintegrierten Pflegestudienganges, welche an ihrem praxisbegleitenden Studientag ausgewählte Semesterarbeiten als Poster in englischer Sprache vorstellten und den Gästen die Methode des problembasierten bzw. fallorientierten Lernens an einem selbst erarbeiteten „Fall“ demonstrierten.

An dieser Stelle bedanke ich mich sehr herzlich bei den Studierenden des Pflegestudienganges für ihre Offenheit und ihr Interesse sowie für die reichhaltige Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten. Unserer Praxisreferentin, Melanie Rech, danke ich für die organisatorische Begleitung des Studientages sowie besonders bei der Studiengangsleitung, Prof. Dr. Susanne Grundke, die zu den wichtigsten Besuchsschwerpunkten der Delegation einen Sammelband mit aktuellen Forschungsergebnissen aus internationalen Datenbanken zusammengestellt hat.

Zu den zentralen Ergebnissen der bilateralen Gespräche gehörte der Wunsch der Delegation nach Unterstützung und Zusammenarbeit bei zwei Kernaufgaben: Da Myanmar Mitglied des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) ist, wird eine Herausforderung darin bestehen, neben der Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes auch die universitären Strukturen mit denjenigen der südostasiatischen Nachbarländer zu harmonisieren, um akkreditiert zu werden. Daher hat eine umfassende Curriculumreform der Pflegestudiengänge oberste Priorität, einhergehend mit dem Aufbau einer völlig neuen Studieninfrastruktur in Form von Studienmodulen, die Umstellung von Ausbildungsjahren auf Semester, um die internationale Mobilität der Studierenden zu ermöglichen sowie die Einführung eines Creditpunktesystems etwa nach europäischem Vorbild. Diese Studienreform betrifft alle Universitäten in Myanmar.

Die zweite Kernaufgabe bezieht sich auf die weitere inhaltliche Entwicklung der fünf neu eingeführten Masterprogramme im Bereich Advanced Nursing Practice mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten, etwa im Bereich Mother-Child-Care oder Critical Care Nursing.

Während der Besichtigung ausgewählter Versorgungseinrichtungen entstand seitens der Delegation der Wunsch, ob Austauschstudent(inn)en ihres Masterstudiums in diesem Bereich ein Praktikum absolvieren können. Unter den Einrichtungen waren z.B. das Perinatalzentrum mit Level I-Versorgung im Klinikum Winterberg, die Palliativversorgung und Intensivpflegeabteilung der CTS Kliniken St. Theresia, die stationäre Langzeitversorgung im Saarbrücker Altenwohnstift oder die gemeindenahe, ambulante Pflege des La Vie Pflegedienstes und die Versorgung von schwerstmehrfach behinderten Menschen der AWO Einrichtungen in Dillingen. Allen Beteiligten war klar, dass unser gesundheitliches Versorgungsniveau diametral entgegengesetzt ist zu demjenigen, was derzeit in einem Entwicklungsland wie Myanmar bereitgestellt werden kann. Die Delegation wird mit vielen Ideen und Anregungen auch für die eigene weitere inhaltliche Ausgestaltung der Masterstudiengänge abreisen.

Innerhalb der Fakultät für Sozialwissenschaften und des Departments Gesundheit und Pflege sowie weiteren Akteurinnen an der htw saar werden in nächster Zeit intensive Dialoge zu den Möglichkeiten sowie der weiteren Spezifizierung und Präzisierung der verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse der Delegation geführt. Auch bedarf es noch des weiterführenden inhaltlichen Austauschs auf Seiten der myanmarischen Kolleginnen, um universitätsintern die Prioritäten festzulegen. Weiterhin wird mit den Kolleginnen des International Office geprüft, in welchem DAAD-Programm sich der bilaterale Austausch und Wissenstransfer am besten realisieren lässt. Als langfristiges Ziel wird angestrebt, die Entwicklungszusam­menarbeit mit den beiden Pflegeuniversitäten in Myanmar durch regelmäßigen fachlichen und personellen Austausch sowie Wissenstrans­fer und gemeinsame Projekte in der akademischen Qualifizierung von Pflegestudent(inn)en zu unterstützen und zu festigen.

 

 


Eingereicht von:

Prof. Dr. Martha Meyer

htw saar
Haus des Wissens
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66117 Saarbrücken
Professur für Theoretische und berufliche Grundlagen der Pflege und Pflegewissenschaft
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