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Das Problem der Unternehmensnachfolge im Saarland - HTW und Sparkasse Saarbrücken entwickeln Konzepte zur Lösung


Katja Jung, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandforschung werden im Saarland jedes Jahr durchschnittlich 827 Unternehmen einem Nachfolger / einer Nachfolgerin übergeben. Wenn niemand aus dem unmittelbaren Umfeld der Familie die Nachfolge antreten will oder kann, geht die schwierige Suche nach geeigneten Interessenten los. Die Finanzierungsnormen Basel II erhöhen zudem den Druck, indem sie Unternehmen, die keine Nachfolgeregelung getroffen haben, einen Malus in das Kreditrating eintragen, sodass die Refinanzierung erschwert wird. Selbst wenn potentielle Nachfolger gefunden sind, stellt sich die Frage des Kaufpreises für das Unternehmen und dessen Finanzierung. Nicht selten scheitern Verhandlungen an diesem Punkt.

Das Thema ist leider so aktuell wie brisant. Verschärfend kommt hinzu, dass es bisher keine systematischen Lösungsansätze für dieses Problem gibt. Doch das könnte sich bald ändern, denn Prof. Dr. Jürgen Griebsch und Prof. Dr. Andy Junker starten das Forschungsprojekt „Unternehmenswertsteigerung durch Erforschung von Kriterien für die Optimierung der Unternehmensnachfolge“. Ziel ist es, zu untersuchen, welche Merkmale auf der einen Seite übertragungsfähige Unternehmen aufweisen müssen, um eine Nachfolge erfolgreich und nachhaltig gestalten zu können. Auf der anderen Seite soll im Rahmen des Projekts herausgefunden werden, welche Kriterien ein möglicher Nachfolger erfüllen, welche Eigenschaften er besitzen und welches Wissen er sich an der Hochschule vor Übernahme einer unternehmerischen Tätigkeit aneignen sollte.

Beide Professoren konnten die Sparkasse Saarbrücken für eine Unterstützung ihres Forschungsprojektes gewinnen – ist sie doch eine der größten Anlaufstellen des Mittelstandes im Saarland. Die Sparkasse Saarbrücken unterstützt das Projekt mit 5 000 Euro und mit ihrem Know-How im Bereich der Mittelstandsförderung.

Unternehmensnachfolge im Saarland

Professoren der HTW und die Sparkasse am Verhandlungstisch

 

Auch die Sparkasse Saarbrücken hat ein starkes Interesse am Erfolg dieses Projektes, da eine ungeregelte Firmenübergabe ein latentes Risiko für Kredithäuser darstellt – so Firmenkundenvorstand Uwe Johmann. In den nächsten Jahren verzeichnen wir im Saarland ca. 7.500 Übergaben, an denen 50.000 Arbeitsplätze hängen. Wir beobachten, dass in der Geschäftsführung Kaufleute leichter zu ersetzen sind, wie hochspezialisierte Techniker. Und so kam die Idee, Handlungsschritte, die in sich geschlossen vorhanden sind, so zu systematisieren, dass sie jungen Menschen, die sich selbstständig machen wollen, eine interessante Chance bieten, die da lautet: Einstieg in ein Unternehmen als „Lehrling der technischen Geschäftsführung“ mit dem Ziel, die Firma nach entsprechender Einarbeitung und vorhandenem Vertrauen als Gesellschafter irgendwann zu übernehmen. Und diese Entscheidung wird getroffen und vertraglich begleitet bei Eintritt in die Firma.

Zunächst werden die Merkmale von Unternehmen, bei denen eine Unternehmensnachfolge ansteht, erforscht. Anschließend sollen potentielle Unternehmensnachfolger z.B. im Kreise von examensnahen Studierenden identifiziert werden. Dabei sollen die als geeignet bewerteten Studierenden durch zusätzliche Lehrinhalte auf die zu übernehmende Aufgabe vorbereitet werden.

Unternehmensnachfolge im Saarland

Die Verhandlungen fruchteten in einem Scheck der Sparkasse über 5000 Euro, um Projekte der HTW im Bereich Mittelstandsförderung zu unterstützen


In einem nachfolgenden Schritt werden die potentiellen Unternehmensnachfolger mit den Unternehmen in Kontakt gebracht (gedacht ist hier evtl. an eine „Messeveranstaltung“). Sofern der Forschungsansatz Erfolg hat, wird sich mit den ausgewählten Kooperationspartnern eine Unternehmenswertsteigerung durch unterbrechungsfreie Fortführung der Unternehmensstrategie realisieren lassen. Die potentiellen Unternehmensnachfolger werden in einem Zeitfenster von zwei bis fünf Jahren in die Unternehmensführung eingebunden und erhalten sukzessive Anteile, um anschließend eine vollständige – fremdfinanzierte – Übernahme des Unternehmens vornehmen zu können.

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