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1000 Kilometer ohne Nachtanken?


Projekt s1000+ der HTW-Forschungsgruppe Automotive Powertrain startet am 24.9.2012

Saarbrücken, 19.9.2012. Mit einer Tankfüllung 1000 Kilometer weit fahren und an der Tankstelle nur noch die Hälfte zahlen? So sehen Autofahrerträume aus. Doch diese könnten wahr werden. Autogas, so ist sich die Forschungsgruppe Automotive Powertrain von Prof. Dr. Thomas Heinze sicher, ist die Lösung, den klassischen Verbrennungsmotor umweltfreundlicher zu gestalten, bis neue Antriebstechniken entwickelt und zur Markt- und Serienreife gebracht werden. Die letzten zwei Autogas-Projekte der Forscher stellten die Kraft von Autogas (Projekt v300, siehe Hintergrund) und die Potentiale für die Reduzierung von CO2 (CO2-100minus, siehe Hintergrund) unter Beweis. Im aktuellen Projekt s1000+ will die Forschungsgruppe mit ihrem Versuchsfahrzeug eine 1000 Kilometer lange Strecke von Saarbrücken nach Münster ausschließlich mit Autogas und ganz ohne Nachtanken schaffen, um so die Furcht vor dem Liegenbleiben mit leerem Tank zu nehmen.

Auch wenn der Erfolg der Projektes letztendlich erst am Ziel in Münster dokumentiert werden kann, möchten wir Sie einladen, sich anlässlich des Starts zur Rekordfahrt über die Maßnahmen zu informieren, mit denen das Team die 1000-Kilometer-Marke knacken möchte. Dazu gehören die Entwicklung eines eigenen Autogassystems, der alleinige Autogas-Betrieb selbst in der Startphase, ein innovatives Kraftstofftankkonzept und eine eigens entwickelte Kühlung für die Direkteinspritzer-Hochdruck-Kraftstoffpumpe zur Vermeidung von Dampfblasenbildung.

Folgender Ablauf ist am Montag, 24. September 2012, an der HTW (Labor Verbrennungskraftmaschinen, wird ausgeschildert) vorgesehen:


09.45 Uhr Eintreffen der Gäste und pers. Begrüßung durch Prof. Dr. Thomas Heinze
10.00 Uhr Kurze Grußworte (Prof. Dr. Günter Schultes, Prorektor der HTW Saarland, Staatssekretär Jürgen Barke, Saarländisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, Helma Kuhn-Theis, Bevollmächtigte der Landesregierung für Europa-Angelegenheiten, Peter Schuler, KÜS, Friedhelm Kortmann, Westfalen AG)
10.20 Uhr Verplombung der Tanks und des Tankstutzens durch einen KÜS-Ing.
10.30 Uhr Start zur 1000-Kilometer-Fahrt: Staatssekretär Barke hebt die Startflagge
10.35 Uhr Bei einem kleinen Imbiss steht unser Team für Ihre Fragen und ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Wir freuen uns, wenn Sie an diesem Startevent teilnehmen können. Das Fahrzeug wird in allen 10 Etappen von Journalisten gefahren.


Hintergrund
V300+ Dieses Projekt lief im Jahr 2007 und war ein großer Erfolg. Das „v“ steht für Geschwindigkeit, „300“ für 300km/h und das „+“ dafür, dass es auch etwas mehr sein darf. Das ganze läuft mit Autogas, welches wegen seinem sehr günstigen CO2 Wert noch bis mindestens 2018 Steuerreduziert ist. Ein Liter LPG kostet daher nur noch rund die Hälfte eines Liters Benzin. Die Professoren und ihre Studierenden gehen mit Begeisterung an die Arbeit. Auf dem Lehrplan steht ab sofort „Weltrekord“. In einen 1er-BMW wird ein Motor aus dem M5 eingepflanzt. Er wird auf Autogas umgerüstet. Das alte Vorurteil, dass LPG Leistung kostet, kann eindrucksvoll widerlegt werden: Am Ende unzähliger Optimierungsmaßnahmen steht ein Leistungsgewinn von fast 10 Prozent für das ohnehin schon sehr starke Triebwerk.

Dann geht‘s nach Papenburg. Auf der dortigen Teststrecke soll der Geschwindigkeitsrekord aufgestellt werden. 303,6 km/h – präzise gemessen mit Geräten des Betreibers des Testgeländes – das ist neuer Weltrekord. So schnell war noch nie ein Pkw mit Autogas unterwegs. Für einen offiziellen Rekord reicht‘s dennoch nicht. Dauerregen verhindert, dass dieses Tempo auch in der Gegenrichtung erzielt wird. Dies aber verlangen die Regeln, um Windeinflüsse auszuschließen. Das mag auf amerikanischen Salzseen sinnvoll sein, nicht aber auf einem 12,3 Kilometer langen Oval mit zwei identischen Steilkurven. Irgendwann bläst der Wind immer von vorn. Die Wehmut legt sich schnell, der Stolz auf das Erreichte überwiegt.

Projekt CO2-100minus - der Name ist Programm und Autogas der Schlüssel dazu. CO2 steht für Kohlendioxid. Ein Gas, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht, und in dem eine Hauptursache für den rasanten Klimawandel gesehen wird. Entsprechend wichtig ist es, möglichst wenig CO2 beim Betrieb eines Pkw entstehen zu lassen. Und während die Bundesregierung 2008 noch an einer Kfz-Besteuerung auf CO2-Basis herumbastelte, haben Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) mit Unterstützung von rund einem Dutzend Industriepartner das Heft des Handelns schon in die Hand genommen. Ihr Auftrag: «Finden Sie ein Auto, rüsten es auf Autogas (LPG) um und optimieren Sie es so, dass am Ende weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer den Auspuff verlassen.» CO2-100minus also. Das ist dem Saarbrücker Wissenschaftlern eindrucksvoll gelungen. Ziel erreicht, ja sogar weit übertroffen, konnten Sie Mitte 2010 stolz ihren Projektpartnern und auch der Öffentlichkeit verkünden. Mit 90,9 Gramm wurde sogar der erst ab 2020 geltende EU-Grenzwert von 95 Gramm klar unterboten.

S1000+ Irgendwie trauen viele Autofahrer Autogas noch nicht. Ein Grund ist die Angst, mit leerem Tank liegen zu bleiben. Sie ist zwar bei bundesweit über 6.000 LPG-Tankstellen unbegründet, aber Angst ist ja nun mal nicht in erster Linie rational. 100-prozentig von der Hand zu weisen ist sie aber auch nicht – spätestens dann, wenn wie beim Projekt CO2-100minus monovalente Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Also Pkw, die ausschließlich mit Autogas fahren und so noch mehr Treibhausgase und Schadstoffe einsparen. Zudem haben manche Länder (zum Beispiel Schweden) auch heute noch keine ausreichende Autogas-Infrastruktur.

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