Das Bauingenierwesen und die Kunst

HTW Bauingenieur-Diplomanden entwickeln Tragekonzept und Statik für das Solar-Oil-Barrel-Peace-Kunstwerk


Irgendwie vermutet man sie eher auf Baustellen. Sie kümmern sich um die Infrastruktur, die Schlagader der modernen Gesellschaft, entwickeln und bauen Kläranlagen, sind im Hoch- wie Tiefbau nicht wegzudenken. Bauingenieure gestalten mit ihrer Arbeit unsere Lebenswelt. Diese zentrale Bedeutung des Bauingenieurwesens ist vielen bewusst. Aber auch ein mit dem Bauingenieurwesen fälschlicherweise nicht assoziiertes Feld menschlichen Schaffens und menschlicher Kreativität ist Teil des Tätigkeitsbereichs der Bauingenieure: die Kunst. Was hat ein Bauingenieur mit Kunst zu tun? Mit Bildern vermutlich eher wenig, aber Skulpturen größeren Ausmaßes, denken Sie an die Serra-Plastik View Point in Dillingen, bedürfen der Fertigkeiten des Bauingenieurs.

Die Solar-Oil-Barrel-Peace-Skulptur des Fotokünstlers Fred George ist ein solches Kunstwerk, das auf die Hilfe der Bauingenieure angewiesen ist. Bei der Skulptur handelt es sich um ein 15 Meter hohes Friedenszeichen, gebaut aus 96 mit Solarzellen bestückten Ölfässern, das der Künstler als Skulptur auf dem Bahnhofsvorplatz in Saarbrücken installieren möchte.

Fred George wandte sich mit der Idee an Prof. Dr.-Ing. Günter Schmidt-Gönner, Professor für
Baustatik an der HTW. Aus dieser Idee entstanden zwei Arbeitsgruppen, die sich intensiv mit dem Kunstprojekt befassten und alle ingenieurtechnischen Hürden meisterten.

Für die Planung und Verwirklichung des Kunstobjektes wurde ein CAD-Modell nach Vorstellungen des Künstlers Fred George gezeichnet. Die Studierenden beschlossen, ein Modell zu entwerfen, an dem man die verschiedenen Konstruktionsmöglichkeiten diskutieren kann. Hierfür wurde ein Modell aus Holz und Kunststoff im Maßstab 1:8 konstruiert. Im Modell bestehen die Fässer aus Kunststoff. Sie werden auf die entsprechende Größe geschnitten und mit Löchern versehen, um sie dann auf die Holzkonstruktion des Modells einzufädeln.

Die Diplomanden Matthias Kreuz und Eugen Schneider befassen sich mit der Tragkonstruktion der Skulptur. Es wurden mehrere Konstruktionsvorschläge in Zusammenarbeit mit George und Schmidt-Gönner erarbeitet. An einem Rechenmodell wurde die mögliche Windbelastung definiert, um das Verformungsverhalten des Kunstobjekts beurteilen zu können. Anhand des Modells wurden einige Tragekonstruktionen entworfen und wieder verworfen, bis die Diplomanden einen Lösungsvorschlag erarbeiteten, der sowohl den künstlerischen und ästhetischen, als auch den baustatischen Ansprüchen gerecht wurde.

Das in Realität 15 Meter hohe Friedenszeichen soll mit Solarkollektoren ausgerüstet werden. Die gewonnene Elektrizität würde dem Besitzer des Standortes der Skulptur zur Verfügung gestellt werden. Diese tagtägliche Solar-Energie-Spende steht, so George, für eine Abkehr von der Auto- und damit Erdöl-Abhängigkeit, und für die Hinwendung zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Diese umwelterhaltende und friedensstiftende Aussage der Skulptur ist Werbung für Saarbrücken und die gesamte Region. Für George könnte die Solar-Oil-Barrel-Peace-Skulptur sogar ein Wahrzeichen für Saarbrücken werden wie z.B. das Atomium für Brüssel.

Der Fotokünstler George lebt in Saarbrücken und New York. Als Neubürger des Saarlandes hat er ein großes Interesse an der wirtschaftlichen und kulturellen Zukunft der saarländischen Hauptstadt. Die Geburt seiner Tochter weckte das Bedürfnis, in seiner Spache – der Kunst – ein visuelles Statement für Frieden und Umweltschutz abzugeben. Der Künstler Fred George möchte Bürger und ihre politischen Vertreter für diese Themen sensibilisieren.
Fred George: „Die Idee zu diesem Werk entstand im Dezember bei einer Fahrt im TGV von Paris nach Saarbrücken, nachdem meine Ausstellung in Berlin beendet war und ich die Skulptur des Kreuzes aus AK 47 (Kalaschnikows) fertig gestellt hatte. Ich wollte mich nun künstlerisch zu unserem Hunger nach Erdöl äußern, welche Mittel angewandt werden, um in Besitz des "schwarzen Goldes" zu gelangen. Mein Statement ist, dass wir aktiv werden müssen. Wir müssen unsere Politiker an ihre Verantwortung für die gegenwärtigen Missstände hinweisen. Sie handeln in unserem Namen und gestalten die Lebensumstände der kommenden Generationen. Die Solar-Oil-Barrel-Peace-Skulptur kann die Stimme des Gewissens sein, von der ich glaube, dass unsere politischen Vertreter sie zur Zeit nicht hören. Die Skulptur wird Menschen dazu inspirieren, über die Bedeutung des Energiesparens nachzudenken und über die Richtung, in die sich die Welt in naher Zukunft bewegen soll.“

Wird die Skulptur auf der Südseite des Bahnhofsgeländes errichtet, würde dies dem Bahnhofsvorplatz ein neues Gesicht geben und das Publikum aus dem Stadtzentrum anziehen. Die Publicity für die Deutsche Bahn, die Stadt Saarbrücken und die gesamte Region wäre immens, so George. Der Alternativstandort an der Nordseite des Bahnhofsgeländes macht diesen Bereich mit seinen historischen Gebäuden, die einer neuen Nutzung zugeführt wurden (KUBA), attraktiver. Die Solar Oil Barrel Peace Skulptur könnte ein markantes Entree für das neue Szeneviertel mit Kunstgalerien, Nachtleben, Restaurants darstellen, für Saarbrückens Bürger und Reisende nur einen kurzen Fußmarsch entfernt.
An beiden Standorten kann die Skulptur zu einer Saarbrücker Sehenswürdigkeit werden und die Stadt weithin bekannt machen. George: „Passagiere, die zwischen London, Paris oder Brüssel hin und her fliegen, verursachen zehnmal mehr CO2-Emissionen als diejenigen, die den Zug benutzen. Der CO2-Ausstoß pro Eurostarpassagier entspricht dem Rauminhalt eines Minis, die Emissionen pro Flugpassagier füllen einen Doppelstockbus.“

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