Erinnern. Erleben. Erkennen:

100 Jahre Erster Weltkrieg, 100 Projekte für den Frieden in Europa

 

100 deutsch-französische und trinationale Projekte in fünf Jahren, initiiert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW). In zwanzig Projekten pro Jahr machten sich Jugendliche in 100 verschiedenen Formaten auf die Suche nach den Spuren der Vergangenheit und entwickelten Ideen für ein zukünftig friedliches Miteinander in Europa. Professor Simone Odierna und die Promovendin Diemut König von der htw saar begleiten das Mammut-Projekt. Sie sind Teil einer internationalen Forschungskooperation, die nach Antworten sucht. Welche Auswirkungen hat Erinnerungsarbeit? Erzeugt die Auseinandersetzung mit dem Thema „Erster Weltkrieg“ die gemeinhin erwünschten Bildungseffekte oder treten ungewollte Nebeneffekte auf?

„Wir wollen Verantwortlichen und Förderern der internationalen Jugendarbeit Werkzeuge an die Hand geben“ erklärt Professor Odierna. „Denn sie tragen eine hohe Begleitverantwortung. In der Auseinandersetzung mit den Kriegsereignissen geht es vor allem darum, potentielle Konflikte zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung ebenso zuzulassen wie ambivalente Gefühle. Stereotype gilt es, offen zu diskutieren.“ Ziel sei, dass die Verantwortlichen die Aushandlung zwischen den Teilnehmenden zu begleiten wissen und ihnen Handlungsmöglichkeiten erschließen.

„Zwischen 2015 und 2018 haben wir zwei Projekte pro Jahr vor Ort forschend begleitet“ erläutert Diplom-Pädagogin Diemut König. Deutsche und französische Schulklassen, Vereine, Gemeinden und Ausbildungsbetriebe waren aufgerufen, eigene Projektideen zu entwickeln. „Die große Spanne reichte von Theaterarbeit, über Recherchen zur eigenen Familiengeschichte bis hin zu erlebnispädagogischen Angeboten und der klassischen Kriegsgräberpflege.“

Die Projekte boten einen Schutzraum, erklärt Diemut König, in dem die Jugendlichen ihre inneren Konflikte formulieren und aushandeln konnten. „Dazu fallen mir spontan zwei Aussagen von Jugendlichen ein. Zum einen ein Auszubildender des Baugewerbes, der beim Anblick der zu reinigenden verwitterten Schützengräben fragte, ob die denn nicht so sein müssten. So sähen sie nach Krieg aus und zeigen, dass der Krieg schon lange her ist.“

In einem Interview setzt sich eine 14-jährige Schülerin mit den Vorurteilen Dritter aus- einander. Das sei „ja logisch“ und passiere „automatisch.“ Gleichzeitig bedaure sie, dass „zu große Geschichten“ des Krieges „auf kleine Leute übertragen würden, die damit dann nichts zu tun haben.“

Eine Befragung aller Teilnehmenden am Ende der Laufzeit unterstreicht die Bedeutung solcher Jugendaustauschprogramme. Wenn auch ein Teil der Befragten den Eindruck hat, persönlich eher wenig Einfluss auf den Zustand von Krieg und Frieden zu haben, ist die Mehrheit der Jugendlichen der Meinung, dass mit (politischem) Engagement etwas erreicht werden kann und dass das Mitwirken an der Gesellschaft zur Demokratie dazu gehört.

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