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Gefahren drohen aber auch von anderer Seite. Extreme meteorologische und hydrologische Ereignisse (Sturm, Wellen, Sturmfluten), industrielle (Ölunfälle, Kernreaktorunfälle) oder biogene Gefahren (giftige Planktonblüten, gelatinöses Plankton) können in den konventionellen Verfahren der Aquakultur weder strukturell, noch konstruktiv oder prozesstechnisch beherrscht werden. Die Ursache biogener Gefahren können auf den Umwelteinfluss von Aquakulturen zurückgeführt werden. Konventionelle Verfahren der Aquakultur erhöhen durch ihren Umwelteinfluss unter Umständen das Betriebsrisiko.

Nach der stürmischen Entwicklung der Aquakultur, bei der Aspekte der Nachhaltigkeit oft vernachlässigt wurden, steht die Aquakultur heute vor einem Paradigmenwechsel: Ressourcenverbrauch und Umweltgefahren können technisch beherrscht werden. Moderne, kreislaufgeführte Verfahren der Aquakultur (FLUID-KREISLAUF) ermöglichen eine Entkoppelung von der Umwelt.

Kreisläufe sind aus wirtschaftlichen und umweltrechtlichen Gründen heute Stand der Technik in vielen unterschiedlichen Produktionsprozessen. Die Biotechnik des Fluid-Kreislaufs wird in der Aquakultur zu folgenden Zielen beitragen:

  • Umweltschutz durch Entkoppelung von der Umwelt.
  • Verbraucherschutz durch Vermeidung von Kontamination und Sicherstellung der Nachverfolgbarkeit.
  • Lebensmittelsicherheit durch kontrollierte und überprüfbare Produktionsabläufe.
  • Produktionssicherheit durch optimal an die Biologie angepasste Verfahren und Vermeidung von Umweltgefahren.
  • Breites Portfolio durch wählbare Einstellung der Umweltbedingungen.
  • Nachhaltigkeit durch Stoffverwertung und Energierecycling.
  • Ressourcenschutz durch Reduktion des Flächen bedarfs, des Wasserverbrauchs und durch den effizienten Einsatz von Futtermitteln.

Diese Aspekte haben wichtige Schnittmengen zu einer nachhaltigen sozialen wirtschaftlichen Entwicklung. Sie werden sicherstellen, dass Aquakultur nicht in eine Sackgasse steuert und als Versorgungsalternative ausfällt.

 


Bild 5: Die Binnenfischerei in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V., Hamburg

 

 

 

 

 

 Bild 6: Die Seefischerei der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V., Hamburg

 

 

 

 

 

 



Mit dem Blick auf die Versorgungslage wird deutlich, wie wichtig die Entwicklung einer nachhaltigen Aquakultur ist. Die Bilder 5 und 6 zeigen die Versorgungslage der Bundesrepublik Deutschland. Die Binnenfischerei in Deutschland zeigt konstante Anlandungen. Sie scheint an der Grenze ihrer Kapazität, liefert aber einen kontinuierlichen Beitrag.

 

Bild 7: Die Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V., Hamburg

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Anlandungen aus unseren typischen Fanggebieten der Seefischerei zeigen dagegen einen abnehmenden Trend. Das Defizit wird zu einem Teil mit Anlandungen aus fremden Fischereigebieten ausgeglichen, die, wie die Daten in Bild 6 zeigen, nicht unbedingt dauerhaft befischt werden können. Marine Fischereiprodukte werden auf dem deutschen Markt knapp, aber nachgefragt sein, was aus den eigenen Fischereierträgen und den Importen abgeleitet werden kann (Bild 7). Die Eigenversorgung in Deutschland betrug bei steigendem Konsum von Fischereiprodukten im Jahr 2010 nur noch 13%. Es ist anzunehmen, dass die geringe eigene Versorgung aus der Fischerei zu deutlichen Engpässen im Bereich der Frischprodukte führen wird, werden nicht in erheblichem Umfang und über lange Transportwege Frischwaren importiert. Dieser Lebensmittelsektor könnte in Deutschland durch Aquakultur nachhaltig versorgt werden. Da vorwiegend marine Fische, Krebs- und Weichtiere ausfallen, ist die Entwicklung einer nachhaltigen Meeres-Aquakultur, die Marikultur, notwendig.


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