GVZ Trier

Exkursion zum Güterverkehrszentrum Trier

 

Am 23.01.2006 machten sich acht Studenten zusammen mit Herrn Prof. Dr. Bousonville auf, im Rahmen der Vorlesung "Verkehrslogistik" das Güterverkehrszentrum (GVZ) Trier zu besichtigen. Hintergrund dieser Exkursion war es vor allem, die Anwendung multimodalen Verkehrs (Benutzung von Schiene, Straße und Wasser) und Kooperationsmodelle zwischen Logistikunternehmen in der Praxis zu beobachten.

 

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Trier liegt direkt am Trierer Hafen, dem einzigen Moselhafen Deutschlands, und umfasst eine Gesamtfläche von ca. 180.000 m². Angebunden an das Straßennetz ist das GVZ über die Autobahnen A1 (Köln-Saarbrücken), A 48/A 64 (Koblenz-Luxemburg) und A 60 (Trier-Bitburg-Lüttich). Ãœber das Schienennetz gibt es Anbindungen an Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Rhein-Neckar, Saar und Luxemburg. Und schließlich liegt das GVZ Trier an dem bereits eben erwähnten Trierer Hafen, so dass eine gute Anbindung an alle wichtigen Wirtschaftsräume in unmittelbarer und mittelbarer Nähe besteht.

Die Gesamtfläche des Güterverkehrszentrums ist nochmals in 4 Teilflächen unterteilt, die je nach Art und Bedarf der Unternehmen an diese vergeben werden. Die Teilflächen 1 und 2 liegen direkt am Trierer Hafen und sind vor allem für Unternehmen interessant, die verstärkt auf Binnenschifffahrt und Schienenverkehr setzen. Zu diesem Zweck steht eine Anlage für den kombinierten Ladungsverkehr (KLV-Anlage) zur Verfügung, die den Umschlag von Containern, Wechselgefäßen und Schwergut über die Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasser ermöglicht. So hat sich z.B. ein Recyclingunternehmen, das ca. 2.200 TEU an Schrott, welcher über Binnenschiffe angeliefert wird, im Jahr umschlägt direkt am Hafen niedergelassen.

 

Die Teilflächen 3 und 4 hingegen sind für alle Logistikunternehmen gleichermaßen interessant. Hier haben sich z.B. die Deutsche Post, ein Getränke-Logistikunternehmen und andere mittelständische Logistikunternehmen, wie die Bayer u. Sohn Speditions-GmbH niedergelassen. Letztere lud uns dann auch ein, ihr Lager zu besichtigen und im Anschluss daran eine kleine Diskussion über das GVZ Trier zu führen. Die Bayer u. Sohn Speditions-GmbH verfügt über ein Palettenlager mit ungefähr 12.000 Palettenstellplätzen, das an die Firma "Bilstein" vermietet wird und ein Regallager, welches die Firma "Canon" für Werbematerialien nutzt, die von hier aus nach ganz Deutschland versendet werden.

 

Nach der Besichtigung der beiden Läger trafen sich die Studenten mit dem Leiter der Vertriebsabteilung der Bayer u. Sohn Speditions-GmbH und dem Projektleiter des Güterverkehrszentrums Trier, Markus Guthörl, zur Diskussion. So erfuhren wir, dass es im GVZ neben der bereits erwähnten KLV-Anlage auch ein Zoll-Lager, Verpackungsdienste, einen Autohof und bewirtschaftete Läger gibt. Neben der guten Verkehrsanbindung haben auch wohl diese Serviceleistungen zum Erfolg des GVZ Trier beigetragen - laut Markus Guthörl sind inzwischen alle Flächen an Unternehmen vergeben! Trotz dieses positiven Ergebnisses gibt es aber immer noch einige Kritikpunkte zu bemängeln. So liegt Trier zwar im Herzen Europas, jedoch am Rande von Deutschland, was dazu fährt, dass der größte Teil des Güterstroms weiterhin über die bekannten Rhein-Ruhr, Rhein-Main, und Rhein-Neckar Strecken fließt. Auch gibt es, im Gegensatz zum großen Vorbild Bremen, zu wenig Kooperation zwischen den einzelnen Logistikunternehmen, was Liefermengen und Lieferziele betrifft. Absprachen zwischen den Spediteuren oder gemeinsame Datenbanken könnten helfen Doppelfahrten zu vermeiden und das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Laut Aussage von Markus Guthörl ist diese Informationszurückhaltung auf die anhaltende Konkurrenz zwischen den Spediteuren und der Angst der mittelständischen Unternehmen, Kunden an Großspediteure zu verlieren, zurückzuführen. Außerdem steht das GVZ Trier in zunehmender Konkurrenz mit dem Raum Luxemburg, der Unternehmen mit niedrigeren Grundstückspreisen und Gewerbesteuern weglockt. Somit besteht die Gefahr, dass der Güterstrom künftig an Trier vorbei fließen wird.

Insgesamt war es interessant für die Studenten zu sehen, wie die Idee eines Güterverkehrszentrums, nämlich Bündelung der Güterströme zum Zwecke des multi-modalen Umschlags und Förderung der Kooperation zwischen den ansässigen Unternehmen, in der Praxis umgesetzt wird und mit welchen Problemen in der Praxis zu rechnen ist. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Herrn Prof. Dr. Bousonville, der sich bereit erklärte mit den Studenten des Fachbereichs BWL diese Exkursion zu unternehmen, an den Projektleiter des Güterverkehrszentrums Trier, Herrn Markus Guthörl, der sich dazu bereit erklärte, mit den Studenten das GVZ Trier zu besichtigen und an alle Mitarbeiter der Bayer u. Sohn Speditions-GmbH, die uns einen Einblick in ihr Unternehmen am Standort Trier gewährten.

Claas Kaniecki


Professor für Logistik und Wirtschaftsinformatik
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