Aquakultur ist die Produktion von Wasserorganismen unter kontrollierten Bedingungen; sie umfasst die künstliche Vermehrung (Setzlingsproduktion) und Aufzucht. Die Vermehrung basiert entweder auf einem unter kontrollierten Umweltbedingungen gehaltenem Elterntierbestand oder aber auf gefangenen Tieren. Die Setzlinge werden bis zur marktgängigen Größe in Haltungseinrichtungen aufgezogen, in denen unter anderem durch Verbesserung des Wachstums (Fütterung), der Vermeidung von Krankheiten und Verlusten (Haltungsbedingungen) der Produktionsablauf optimiert wird.


Teichwirtschaft in Norddeutschland

Aquakultur zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt aus. Die gezüchteten Organismen entstammen Bächen, Flüssen, Seen und Meeren, also Lebensräumen, die sich über zwei Drittel der Erdoberfläche ausdehnen. Die Organismen dieser Lebensräume wurden traditionell vom Menschen (Fischer, Sammler) genutzt.


Fisch- und Garnelenfarm in Thu Duc, Ho Chi Minh City, Vietnam

Aquakultur schließt verschiedene Gruppen von Wasserorganismen, zum Beispiel Algen, Wasserpflanzen, Würmer, Schnecken, Muscheln, Tintenfische, Krebstiere, Reptilien (Frösche), Amphibien (Krokodile) und Fische, ein, d.h. Organismen die im Wasser leben und solche, die sich in der Übergangszone zwischen Wasser und Land aufhalten. Aquakultur ist also nicht nur die bei uns bekannte Fischzucht. Die Aquakultur deckt einen viel weiteren Bereich ab und schließt die Fischzucht ein. In der Aquakulturstatistik der FAO [FAO] werden ungefähr zweihundert Fischarten und insgesamt über 400 Arten geführt, von denen in Europa nur ein kleiner Teil bekannt ist.


Moderne, technisierte Garnelenfarm im Indischen Ozean

Aquakultur hat sich heute zu einer Biotechnologie entwickelt, die es ermöglicht, beinahe jeden Organismus fernab von seinem natürlichen Verbreitungsgebiet zu züchten. Die Technologie ist der Fluid-Kreislauf, in dem die Organismen in einem in sich geschlossenen Wasserkreislauf aufgezogen werden. Daraus ergeben sich spezielle Forderungen. Wasserorganismen sind durch ihre Biologie/Physiologie an ihre angestammten Lebensräumen angepasst. In sehr großen Wasserkörpern, in denen sie normalerweise leben, ist ein Einfluss der Organismen auf ihre physikalisch/chemische Umwelt in erster Näherung nicht gegeben. In einem Fluid-Kreislauf werden die Organismen dagegen in vergleichsweise kleinen Lebensräumen und Wasservolumina gehalten. Die Kontrolle der Umweltbedingungen in diesen Systemen ist von zentraler Bedeutung und bedingt die Systemtechnik, die an die Biologie der jeweiligen Art angepasst werden muss. Die HTW arbeitet mit einem Team von Biologen und Ingenieuren an der Entwicklung dieser Technik für verschiedene Arten.

Experimenteller Fluid-Kreislauf der htw saar für die Zucht mariner Garnelen in der Forschungshalle in Völklingen

 

Prof. Dr. Uwe Waller Bioprozesstechnik, Aquakultur
Ingenieurwissenschaften

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