© Freis, M. (2021): Ethnographie im Praxissemester. Soziale Arbeit am Lernort Praxis studieren. Münster: Waxmann Verlag.

Konzeption zum Praxissemester

Professionalisierung im Praxissemester als lernortübergreifende hochschuldidaktische Aufgabe:

  • studienintegrierte Praxisanteile werden von uns als notwendiges Kriterium zur Relationierung von wissenschaftlichem und berufspraktischem Wissen gesehen
  • der konstante Wechsel zwischen den Lernorten "Hochschule" und "berufliche Handlungspraxis" ermöglicht dabei sich selbst, das eigene Wissen, Vorurteile und Bewertungen sowie sich entwickelnde Praktiken professionellen Handelns zu reflektieren
  • ein ethnographischer Zugang zur Praxis der Sozialen Arbeit und Pädagogik der Kindheit eröffnet lernortübergreifende Reflexions- und Kommunikationsmöglichkeiten, die den Lernprozess methodologisch rahmen und methodisch strukturieren
  • die Erfahrungen aus der Krise der Repräsentation ermöglichen Reflexionsformen von Professionalität die durch den ethnographischen Zugang in den Blick geraten
  • praxeologische und professionstheoretische Grundlagen rahmen den ethnographischen Zugang zur Praxis der Sozialen Arbeit


Während des Praxissemesters werden die Studierenden über drei Reflexionsformate begleitet und in ihrer Reflexion praktischer Lernprozesse angeleitet:  

  1. Praxisanleiter:innengespräche 
  2. Theorie-Praxis-Seminare (2 SWS) 
  3. Supervision und kollegiale Beratung (2 SWS) 

Potentiale für Studierende:
  • Sog der Praxis und der ethnographische Wechsel zwischen Annäherung und Distanzierung: Die schnelle Vereinnahmung durch die Logik der Praxis wird durch die ethnographische Zugangsstrategie zum Zwecke der regelmäßigen Reflexion am Lernort Hochschule unterbrochen und dient dazu, ein größes Bewusstsein über die implizite Integration von wissenschaftlichem Wissen in berufspraktisches Wissen und umgekehrt herzustellen.
  • Metapher "Expeditionen in die Praxis der Sozialen Arbeit": Metaphorische Reflexionsformen im Sinne der "Expeditionsmetapher" rahmen den Zugang der Studierenden in die Praxis und ermöglichen ein lernortübergreifendes Sprechen über die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse.
  • Emotionalität im Zugang zu Praxis: Aufgreifen der eigenen Emotionalität im Zugang zur Praxis der Sozialen Arbeit über die ethnographischen Reflexionsformate sowie die metaphorischen Zugänge.

Potentiale für die Praxis der Sozialen Arbeit:
  • Ethnographie im Praxissemester als Möglichkeit systeminterne Differenzsetzungen zu erkennen: Die Beobachtung der Praxis durch die Studierenden eröffnet einen Zugang zu den Bedeutsamkeiten und relevanten Wissensbeständen der professionellen Sozialarbeiter:innen sowie zum Funktionieren der organisationalen Prozesse. Beobachtungen, Fragen und Reflexionen der Studierenden rücken jene entscheidungsrelevanten Kriterien der Praktiken professioneller Sozialer Arbeit in den Blick, die als systeminterne Differenzen eine Relevanz aufweisen und für das Verständnis der Logik der Praxis zentral sind.
  • Beobachtung durch die Studierenden als Potential der Innovation und des lernortübergreifenden Wissensmanagements: Neue Entwicklungen in den Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit, sowie feste Routinen können durch die lernortübergreifende Reflexion der Studierenden in den Blick geraten und Impulse für die Wissenschaft und die Praxis bieten.
  • (wechselseitiges) Bewusstsein der Lernorte für ihre jeweiligen Besonderheiten

Potentiale für die Kooperation der Lernorte 'Hochschule' und 'berufliche Praxis'
  • Lernortübergreifende Hochschuldidaktik als Generator von Hochschul- und Praxisentwicklung: die hochschuldidaktische Strukturierung des Praxissemesters ermöglicht Irritationspotenziale für beide Lernorte und rückt den konstanten Konstruktionscharakter der wechselseitigen Bezugnahme in den Blick.
  • Studierende als Medium wechselseitiger Bezugnahme: Hochschulen und berufliche Handlungspraxis sind im Lernarrangement "Praxissemester" über die Studierenden strukturell miteinander verbunden. Die Position von Studierenden gleichzeitig Teil der Hochschule und Teil einer Einrichtung der Sozialen Arbeit zu sein, ermöglicht Ihnen Einblicke in beide Systeme. Die Reflexionen von Studierenden eröffnen damit auch den beteiligten Organisationen kleine Einblicke in die Praxen der jeweils anderen Organisation. Im besten Fall kann dies zu einer größeren Praxisorientierung von Wissenschaft sowie eine gesteigerten Wissenschaftsorientierung der beruflichen Handlungspraxis führen.
  • Praxisreferate an der Grenzstelle der Organisation Hochschule: Die organisationale Positionierung von Praxisreferaten ermöglicht lernortübergreifende Projekte, Ansätze, Seminar- und Fortbildungsformate, die Innovationsimpulse an beiden Lernorten entfalten können (vgl. Freis 2019; http://sichtbar.htwsaar-blog.de/30_jahre_fue/Flipbook.html).

Ethnographie im Praxissemester. Soziale Arbeit am Lernort 'Praxis' studieren.

Author: Manuel Freis
ISBN: ISBN 978-3-8309-3938-2
Beschreibung: Das Praxissemester im Studium der Sozialen Arbeit ist ein zentrales Scharnier zwischen Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung der professionellen Identität künftiger Sozialarbeiter*innen. Das Buch hat zum Ziel, eine methodologisch begründete, methodisch reflektierte und hochschuldidaktisch aufbereitete Möglichkeit des Zugangs zum Studieren in der Praxis der Sozialen Arbeit aufzuzeigen. Die aktive Tätigkeit des Studierens in der Praxis wird dabei in den Kontext einer ethnographischen sowie lernortübergreifenden hochschuldidaktischen Konzeption gestellt, die den Studierenden, Praxisanleiter*innen und Verantwortlichen an Hochschulen Wege zur Kooperation der Lernorte Hochschule und berufliche Praxis verdeutlicht sowie die Reflexion im Praxissemester im Sinne einer konstanten Bewegung zwischen unterschiedlichen Reflexionsräumen als Potenzial der Herausbildung einer professionellen Identität begreift.

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