Text: Frank Becker

Es ist eigentlich kein wirklich neues Produkt: Dehnungsmessstreifen gibt es schon seit einigen Jahrzehnten. Sie werden überall da eingesetzt, wo die Verformung eines Materials bestimmte Werte anzeigt. Typisches Beispiel: das Wiegen am Morgen. Hier wird der Grad der Verformung des Materials als Gewicht gemessen. »Die große Herausforderung ist es aber, Dehnungsmessstreifen zu entwickeln, die es ermöglichen, mit einer Personenwaage auch eine Maus wiegen zu können oder eine Personenwaage so zu gestalten, dass auch mal ein Elefant drüberlaufen kann, ohne die Personenwaage zu zerstören«, sagt Gründer und Geschäftsführer Dr. Matthäus Langosch.

Der Name CeLaGo setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründernamen zusammen: Matthäus Langosch, Mario Cerino und Dirk Göttel. Sie haben gemeinsam unter der Leitung von Professor Günter Schultes an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) daran geforscht, die Defizite bestehender Dehnungsmessstreifensysteme auszumerzen: Sie sollten leistungsfähiger, stabiler und präziser werden und dabei auch Strom sparen. Die Ergebnisse waren so effizient, dass die Forscher bald an eine Ausgründung dachten. Der Startschuss für das Start-up fiel durch das Projekt »nano-DMS«, das im Rahmen von EXIST-Forschungstransfer durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert wurde. Mit diesen Produktvorteilen fiel der Entschluss zur Ausgründung 2017 leicht. Sofort gingen die Gründer auf Kundensuche. Ihre Zielgruppe: vor allem Unternehmen aus dem Maschinenbau, die bestimmte Messsysteme in nicht zu großer Auflage benötigen. Am Anfang stand die Aufgabe, Vertrauen in einen Newcomer aufzubauen, schließlich sind einige unserer Konkurrenten seit Jahrzehnten am Markt«, sagt Dr. Langosch. So gingen die Gründer bereits vor der tatsächlichen Gründung auf Messen. Leitmesse ist hier die »Sensor und Test« in Nürnberg, die dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen musste, was das Neugeschäft etwas zurückwarf.

Erfolg durch Beratung

Dass sich CeLaGo dennoch am Markt durchgesetzt hat, liegt an der starken Beratungskompetenz. »Wir bieten ein Gesamtleistungspaket bestehend aus individuell anpassbarem Produkt und Beratung«, so Langosch weiter. Konkret bedeutet dies, dass CeLaGo seine Kunden bereits bei der Entwicklung von deren Produkten begleitet, um genau den Dehnungsmessstreifen herzustellen, der optimal an seine Aufgabe angepasst ist. Wichtig für den Erfolg war auch, dass sich das Unternehmen von Beginn an einem strengen Qualitätsmanagement unterzog und die Zertifizierung nach ISO 9001 erhielt. Ein weiterer Knackpunkt beim Einstieg eines neuen Unternehmens in einen Markt ist die Preisfindung – also einen Preis zu definieren, der am Markt akzeptiert wird und der das Unternehmen trägt. Durch die Betonung der Beratung und der individuellen Flexibilität des Produktes ist dies gut gelungen. Im unteren Preissegment kann CeLaGo nicht mit Konkurrenten mithalten, die in riesigen Stückzahlen produzieren, wie es z. B. für die Automobilindustrie nötig ist. CeLaGo beliefert auch Kunden ohne Beratung. Hier sieht Dr. Langosch den Nachteil, dass diese Kunden häufig sehr lange kein Feedback über ihre Zufriedenheit mit dem Produkt geben. »Wir wissen dann nicht, warum diese Kunden wieder bei uns kaufen oder warum nicht.« Neben dem Auftritt auf Messen war und ist die Mitarbeit in Ausschüssen wie im Fachausschuss des VDI (Verband Deutscher Ingenieure) ein guter Weg, Bekanntheit und Vertrauen aufzubauen. So konnten die Gründer im Austausch mit anderen Experten auch einige Tipps mitnehmen.

Geholfen auf dem Weg haben auch die Business Angels und und die FITT gGmbH (Institut für Technologietransfer an der htw saar) sowie das Zentrum für Mechatronik und Auto-matisierungstechnik (ZeMA gGmbH). »Jetzt geht es darum, unseren Vorsprung nicht nur zu halten, sondern auch auszubauen, Hauptaugenmerk ist immer die Performance des Produktes«, beschreibt Dr. Langosch die nahe Zukunft. Auch wird der Vertrieb sich zukünftig mehr und mehr internationaler aufstellen, nachdem CeLaGo bisher vor allem im deutschsprachigen Raum agiert hat.Noch sind die Gründer bei CeLaGo zu dritt. Effizient denken und arbeiten heißt das Motto. »Wir sind und bleiben ein produzierendes Unternehmen, aber Verstärkung, vor allem im Vertrieb, können wir bald schon gebrauchen.«

Für Gründer hat Dr. Langosch einen konkreten Rat: Sich so früh wie möglich mit dem Markt beschäftigen und damit, was der potenzielle Kunde genau will. Und stets kritisch mit sich selbst und seinem Produkt sein — auch nach der Gründung und den ersten Erfolgen. Bei CeLaGo sieht es gut aus.

    


Die Vorteile des neuen Dehnungsmessstreifens von CeLaGo auf einen Blick:

  • Er kann eine deutlich geringere Dehnung messen als die Konkurrenz.
  • Er kann ganz flexibel der jeweiligen Bauform des Trägers angepasst werden.
  • Er kann thermische und mechanische Belastung unmittelbar am Werkstück messen.
  • Und er kann durch höhere Widerstände und eine extreme dünne Schicht Energie sparen, was vor allem für die Drahtloskommunikation wichtig ist.

Foto: iStock

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