Text: Frank Becker 

Messtechnik ist eine Kunst«, sagt Dr. Claus Riehle, Geschäftsführer der dimeto GmbH, weil Messen deutlich mehr sei als bloßes Erzeugen von Daten. Hat man erst mal vertrauenswürdige und konsistente Messwerte, lassen sich selbst daraus via Statistik noch eine Vielzahl von Perspektiven darstellen. Entscheidend ist daher die Fragestellung, d. h. die Messaufgabe: »Welchen Mehrwert will ich von einer Messung haben?« Riehle hat noch ein Argument für seine Aussage: Das griechische Wort téchne, aus dem sich Technik ableitet, bedeutet auch Kunst, Handwerk oder Kunstfertigkeit.

Die dimeto GmbH beschreibt sich selbst als Dienstleister für Innovationsprozesse und technischen Service rund um das Thema Sensorik und Messtechnik. So kann es vorkommen, dass ein Kunde für eine bestimmte Messaufgabe eine Lösung benötigt und dimeto mit der Entwicklung eines geeigneten Konzepts beauftragt. Oder ein Kunde hat eine Idee für eine innovative Lösung und beauftragt dimeto mit der technischen Umsetzung, so war es z. B. im Bereich Wettermesstechnik, wie das prominente Beispiel Hagelsensor zeigt. Der inzwischen von der Partnerfirma KISTERS AG vertriebene Hagelsensor ist das weltweit erste Online-Messgerät für Hagelkörner, d. h. es ist in der Lage, einzelne Hagelkörner zu zählen und ihre Energie sowie ihre Größe in Echtzeit zu bestimmen. Lokale Hagelereignisse sind dadurch präzise und zeitnah charakterisierbar. Zum einen ist das für Versicherer von Interesse als quantitative Referenz für Schadensmeldungen, zum anderen für die Schadensvermeidung via Prävention und Prognostik. Vernetzt man nämlich mehrere Hagelsensoren in einer hagelgefährdeten Region, die durch ihre landschaftlichen Merkmale im Verbund mit bestimmten Wetterlagen gekennzeichnet ist, dann kann ein Hagelmessnetz im Umland als Alarmgeber eingesetzt werden, um Bürogebäude in Städten vor Schäden z. B. an Fensterjalousien zu schützen. Dieses Konzept wurde in den vergangenen Jahren in der Schweiz am Vierwaldstättersee und im Tessin erstmals umgesetzt.

Die Idee zum Messprinzip des Hagelsensors stammt von Prof. Dr. Löffler-Mang, Leiter des Labors für optische Mess- und Lasertechnik der htw saar. Jedoch mussten alle Beteiligten lernen, dass der Weg von einer Idee, die sich relativ schnell patentieren lässt, bis zu einem technischen Produkt, das man auf den Markt bringen kann, länger ist, als man glaubt. Durch ein komplettes, systematisches Redesign ist es Riehle und seinem Team in Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner KISTERS AG innerhalb von 15 Monaten gelungen, ein Produkt zu entwickeln. Seit 2017 ist der HailSens auf dem Markt, und dimeto ist als Zulieferer, Systemintegrator und Servicepartner für die KISTERS AG tätig.  

Auf die Frage, was die wesentlichen Erkenntnisse aus diesem erfolgreichen Projekt sind, antwortet Riehle: »Meine langjährige Erfahrung aus der technischen Entwicklung hat sich erneut bestätigt, dass ein Prinzip schneller erfunden als technisch umgesetzt ist. Gerade deshalb gehen wir bei aktuellen Entwicklungsprojekten Schritt für Schritt vor.« Ein Prozedere, das Riehle auch allen anderen Gründern empfiehlt, denn »zu viel auf einmal zu wollen, führt letztlich zu Verlangsamung«. Beim Aufbau des Unternehmens hat dimeto seine Entwicklungsdienstleistung als ›Innovation Process‹ definiert, der in Kooperation mit einem Partner in drei Schritten verläuft: Prüfung der Machbarkeit einer Idee; Konzeption und Bau eines Prototyps; Testphase, Feedback und Redesign mit einem produktnahen Prototyp als Ergebnis. Idealerweise bleibt die Kooperationspartnerschaft weiterbestehen, wenn die Produktverantwortung auf den auftraggebenden Partner übergeht, denn dann kann das gemeinsam erarbeitete Know-how maximal genutzt werden. Die Funktion eines Zulieferers übernimmt dimeto gerne, ebenso wie die Begleitung der Markteinführung. Denn »der Aufwand, ein analytisches Messgerät selbst zu produzieren und in den Verkehr zu bringen, ist für ein Start-up unserer Größe aktuell zu hoch«, sagt Riehle, »dafür bräuchte es deutlich mehr finanzielle und personelle Ressourcen«.

Das Beste aus den verschiedenen Disziplinen

Auf die Frage nach weiteren Standbeinen erklärt Riehle: »dimeto hat das Ziel, verstärkt als lokaler Dienstleister im Saarland für messtechnische Anwendungen Fuß zu fassen.« Die kleine und daher sehr flexible Mannschaft ist in der Lage, Umweltmessstationen für Kunden zu installieren und zu betreuen. Im Bereich der Umwelt- und Wettermesstechnik steige der Wunsch und der Bedarf nach Messdaten mit einer höheren örtlichen und zeitlichen Auflösung, verknüpft mit dem Wunsch nach Transparenz. Das gelte sowohl für die Bevölkerung als für öffentliche Einrichtungen, sagt Riehle, »weshalb auch Cloud-Anbindung bei uns ein zentrales Thema ist. Wir können Sensoren und deren Daten in eine Cloud einbinden. Denn im dimeto-Team haben wir die Kompetenzen Mechatronik, Optik, Elektrotechnik, Elektronik, Physik und Management abgebildet. Und in Sachen zuverlässiges Datenmanagement haben wir mit der Firma KISTERS AG einen erfahrenen Partner an unserer Seite«.

Riehle ist ein großer Befürworter des interdisziplinären Austauschs und des transdisziplinären Arbeitens. Er selbst hat als Diplom-Physiker in der Verfahrenstechnik promoviert, war fast 20 Jahre in einem Dax-Konzern in der Verfahrensentwicklung und arbeitete in der Prozessoptimierung u. a. als Abteilungsleiter im Bereich Partikelcharakterisierung und später im Bereich Prozessanalysentechnik. Parallel hat er sich zum ›Systemischen Coach (SG)‹ und als ›Systemischer Organisationsberater‹ ausbilden lassen. Seit 2010 arbeitet er freiberuflich als Unternehmer, Moderator und Strategie - und Organisationsberater. Er ist einer der neun Gesellschafter, die Januar 2015 die dimeto GmbH gegründet haben, seit März 2016 ist er Geschäftsführer.

   

Und was entscheidet über den Erfolg eines Start-ups?

Fragt man Riehle, worin er die Erfolgsfaktoren für ein Start-up sieht, dann sagt er: »Ein Drittel machen Kompetenzen und Fakten aus, ein Drittel die Teamfähigkeit und das Engagement der beteiligten Personen und das letzte Drittel hat man nicht im Griff, das ist einfach das, was passiert, sei es am Markt oder eben – wie aktuell – durch Corona.« Ferner sei es gerade in der Anfangszeit wichtig gewesen, einen Bürocontainer der htw saar nutzen zu können, erst dadurch sei möglich geworden, das kleine Team und die mitarbeitenden Studierenden nah beieinander zu halten. »Gerade ein Start-up-Team lebt vom intensiven Austausch«, sagt Riehle, »und der Schritt ins Gründerzentrum war dann der nächste, folgerichtige für uns.« Für die nahe Zukunft stehe an, dimeto etwas breiter zu positionieren, den jungen Mitarbeiter*innen mehr Verantwortung zu geben und ein weiteres Entwicklungsprojekt zum Erfolg zu bringen, die Chancen stünden gut.

Fotos: iStock; Loren Klein, Kisters Aaachen

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