© Markus Lutz; fotolutz

Text: Frank Becker

QIS (Qbing Industrial Solutions) sitzt in einer alten Villa auf dem Campus Maybach. Doch im Inneren geht es hochinnovativ her: Auto-ID und RFID-Lösungen ›out of the box‹ bietet das Start-up an. Viele können mit den Abkürzungen nichts anfangen, sind solchen Funktionen und Geräten aber schon häufig begegnet. So trägt jedes Kleidungsstück, das in einem Kaufhaus im Regal liegt oder an einem Ständer hängt, eine solche RFID-Kennung, welche die Kassiererin beim Bezahlen dann entfernt, sonst ertönt ein lautes Alarmsignal am Ausgang. Dabei steht ID für Identifizieren und RF für ›radio frequency‹ – RFID also für Identifizieren mit elektromagnetischen Wellen. Mit dieser Methode kann man dementsprechend grundsätzlich Objekte oder Lebewesen automatisch und berührungsfrei erkennen und zählen.

                    

Die Anwendung im Kaufhaus hatten die Gründer von Qbing allerdings nicht im Sinn. Am Anfang stand die Smart Factory der htw saar, die unter der Leitung von Prof. Dr. Steffen Hütter 2010 eingerichtet worden war. Hier forschten und forschen die Studierenden anwendungsorientiert über die Digitalisierung der industriellen Produktion und der dazugehörenden logistischen Prozesse. Das interdisziplinäre Arbeiten zwischen Betriebswirtschaft, Elektrotechnik, Logistik und Wirtschaftsingenieurwesen hat das Finden von Lösungen dabei befördert. 2011 wurde Qbing Konsortialpartner des Bundeswirtschaftsministeriums im RAN-Projekt, hier ging es um die Entwicklung eines neuen RFID-Standards für die Automobilbranche. 2012 begann eine mehrjährige Zusammenarbeit mit der ORBIS AG, während der 80 Unternehmen durch die Smart Factory geführt und mehrere Industrieprojekte erfolgreich abgeschlossen wurden.

Bei diesen Erfolgen war es nur konsequent, dass Christian Schwindling, heute Geschäftsführer, mit seinen Kommilitonen Alexander Westhäusler, heute für die Software verantwortlich, und Christian Schmidt, technischer Geschäftsführer und für die Hardware zuständig, an eine Ausgründung dachte. 2017 war es so weit. Zuvor wäre eine Förderung im Rahmen des EXIST-Förderstipendiums fast gescheitert: »Die Prüfer dort hatten unsere Produktvorteile nicht verstanden und als ›nicht bewertbar‹ zurückgewiesen«, erzählt Christian Schwindling von damals. »Doch direkt am nächsten Tag haben wir uns hingesetzt und unseren Antrag neu formuliert und begründet. Das hat dann geklappt.«

Viele Vorteile für den Mittelstand

Auto-ID und RFID-Systeme in eine vorhandene Systemlandschaft zu integrieren und zu implementieren, ist in den meisten Fällen aufwändig und teuer. Diesen Digitalisierungsschritt leisten sich daher eher große Unternehmen. Qbing hat eine Lösung gefunden, die den technischen Aufwand sozusagen miniaturisiert. Durch den Einsatz von Einplatinencomputern haben die Gründer ein einfaches ›Plug-and-play‹-System entwickelt, das sich ohne großen Aufwand in eine vorhandene Hardware- und Software-Architektur integrieren lässt. Der Anwendungsbereich ist nahezu unbegrenzt: Überall, wo etwas hergestellt, gelagert oder transportiert wird, kommt dieses Zähl- und Registrierverfahren zum Einsatz; die Identifizierung und Rückverfolgung von Waren und Bauteilen gelingt genauso wie die Zugangskontrolle von Personen. Durch Qbing können sich dies nun auch kleine und mittlere Unternehmen leisten.

Denn das System von Qbing bietet den Anwendern viele Vorteile: mehr Transparenz, mehr Sicherheit, höhere Lagerkapazitäten und vor allem deutlich niedrigere Kosten, da Qbing-Lösungen mit jeder vorhandenen Hardware zusammenarbeiten können.

»Wir hatten genau studiert, was unsere potenziellen Kunden brauchen«, erzählt Christian Schwindling weiter. So begann das Start-up bereits mit Kunden seine Erfolgsgeschichte. Darauf sind auch Unternehmen wie die BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH aufmerksam geworden, das einen eigenen Gründercampus fördert. BITO ist jetzt an Qbing beteiligt und bringt viel Know-how aus den Bereichen Lager und Logistik ins Unternehmen ein, das seit September 2017 QIS – Qbing Industrial Solutions heißt.

Die aktuelle Herausforderung liegt darin, den Vertrieb zu verstärken und auszubauen. Auch Qbing ist hier durch die Corona-Pandemie ausgebremst worden. Die Zeit haben die Gründer genutzt, um einen Personenzähler zu entwickeln, der Unternehmen und Handel darin unterstützt, die vorgegebene Anzahl von Personen in einem bestimmten Raum einzuhalten.

Das ist zwar nicht das Kerngeschäft von Qbing, zeigt aber, welches unternehmerische Denken hier herrscht. »Wir wollten etwas bewegen«, beschreibt Christian Schwindling seine Motivation, Unternehmer zu werden, »ruhig abwarten geht nicht«. Schon in der Smart Factory habe er eine Idee davon bekommen, was es für ihn bedeutet, selbst Entscheidungen treffen zu können. »Der Weg war damals bereits für mich vorgezeichnet, und ich hätte es mir ewig vor-geworfen, wenn ich ihn nicht gegangen wäre.«

Gründern empfiehlt er, sich genau zu überlegen, welche Konsequenzen das Unternehmersein für das eigene Leben hat, und sich dann zu fragen, ob man das ein Leben lang machen möchte. »Denn Unter-nehmer ist man rund um die Uhr, da fällt das Runter-kommen manchmal schwer.« Wichtig ist, genau zu studieren, was der Markt braucht, und dann nicht zu lange warten. »Den perfekten Start gibt es nie, und wenn man zu lange zögert, hat die Idee vielleicht schon ein anderer verwirklicht.« Ein Rat zum Schluss: »Die Arbeit muss Spaß machen.« Und genau das sieht man Christian Schwindling an.

           


Fotos: Indra Hilcher, QIS GmbH

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