

Lehrkraft für besondere Aufgaben
Im Spannungsfeld zwischen Auslastungsmaximierung, Kulturauftrag und Kunstfreiheit – Untersuchungen zu Chancen und Limitationen von Audience Development deutscher Berufsorchester und Strategieentwicklung innovativer Formate für Kulturbetriebe in Deutschland
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt soll einen Beitrag zur Diskussion um Audience Development (qualitative + quantitative Besucherentwicklung) von Berufsorchestern in Deutschland leisten. Methodisch wird quantitativ und qualitativ geforscht, unter Berücksichtigung von Ansätzen aus den Bereichen Kulturmanagement, Musikwissenschaft, Soziologie und Politik.
Publikumsentwicklung steht, bedingt durch den demographischen Wandel, seit vielen Jahren auf der Agenda der meisten Kulturinstitutionen: Die Relevanz der notwendigen Akquise und Bindung eines jüngeren Publikums an ein Haus erschließt sich unmittelbar. Dadurch, dass Kulturbetriebe inzwischen auch mit anderen Freizeitaktivitäten (analog + digital) um die Gunst der Besuchenden werben müssen, entsteht Konkurrenz auf mehreren Ebenen (Qualität, Unterhaltungswert, Preis-Leistungs-Verhältnis etc.). Der Kulturauftrag öffentlicher Einrichtungen stellt einen essentiellen Eckpfeiler der deutschen Kulturpolitik dar: Die Schaffung eines qualitativ hochwertigen Programmes auch unter Berücksichtigung weniger populärer Werke soll gewährleistet sein und im Vergleich zu ökonomischen Zielen prioritär verfolgt werden. Auch hier erschließt sich das Spannungsfeld unmittelbar. Ferner ergeben sich durch versuchte Einflussnahme politischer Parteien in Spielplangestaltungen Fragen nach aktueller Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst.
Während die Pandemie nicht nur die Frage nach unmittelbarer Systemrelevanz vieler Branchen aufgeworfen hat, wurde in den vergangenen Jahren außerdem deutlich, dass die Digitalisierung ein weiteres Spannungsfeld im Bereich Audience Development eröffnet: Soll alles umgesetzt werden, was technisch möglich ist oder sprechen ästhetische Gründe gegen einen Einsatz digitalisierter Formate? Ist digitale Kunst Antagonist der analogen Kunst, ein Zusatzangebot oder lediglich eine „Übergangslösung“? Welche Bedeutung ist ihr beizumessen, wenn es um erfolgreiche Audience Development-Konzepte deutscher Klangkörper geht?