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Überall nur junge Alte?

Derparadoxe Umgang mit dem demografischen Wandel

Der demografische Wandel ist ein Thema, das uns seit über 40Jahren in regelmäßigen Abständen begegnet. Dabei reicht das Spektrum desUmgangs mit diesem Thema von beharrlicher Ausblendung bis hin zur Erstellungvon Horrorszenarien: Die Vergreisung der Gesellschaft bewirke demnach einenInnovationsverlust, der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beeinträchtige.Dies führe letztlich zu einem Kollaps der sozialen Sicherungssysteme. Horrorszenarienhin oder her, fest steht, dass die Zahl der Geburten seit Ende der 60er stetigsinkt und die Menschen dank moderner (Medizin-)Technik ein höheres Lebensaltererreichen die allseits bekannte Bevölkerungspyramide mutiert zumBevölkerungschampignon.

Wieist denn nun der demografische Wandel und vor allem wie sind seine Folgeneinzuschätzen? Mit diesem Thema beschäftigte sich ein Symposium der Hochschulefür Technik und Wirtschaft des Saarlandes in Kooperation mit demUmweltministerium des Saarlandes. "Es hat zu lange gedauert, bis das Themadiskutiert wurde" konstatiert Stefan Mörsdorf, Umweltminister desSaarlandes. Der demografische Wandel sei keine Katastrophe, so Mörsdorf weiter,sondern müsse als Chance und Herausforderung begriffen werden.

Prof.Dr. Wolfgang Cornetz, Rektor der HTW, erklärte in seinem Vortrag, dass es einMärchen sei, dass ältere Menschen nicht zu Innovation fähig seien. Sie seienoft besser in der Lage, komplexe Aufgaben zu lösen, seien zeitlich flexibler(die Kinder sind aus dem Haus), brächten betriebsspezifische Erfahrungen mitein und könnten die subjektiven Faktoren realistischer beurteilen. AndereStaaten, wie etwa Schweden, die Schweiz und Japan, haben einen deutlich höherenAnteil der 55-64-jährigen unter den Erwerbstätigen hier liege ein von denUnternehmen nicht genutzter, brachliegender Erfahrungsschatz.

Indrei Workshops wurden die Facetten des demografischen Wandels bearbeitet:

"Lebensräumeder Zukunft" behandelte den städtebaulichen Aspekt des Themas. Es gilt,die baulichen Strukturen den Ansprüchen einer sich wandelnden Gesellschaftanzupassen und die Lebenswelt auch für "Durchreisende" attraktiv zugestalten, denn immer seltener bleiben Menschen ihr Leben lang an einem Ort.Die Stadtplanung muss aber auch in ihre Planungen die eingeschränkte Mobilitätund das eingeschränkte Seh- und Hörvermögen von älteren Menschenberücksichtigen. Stellen Sie sich vor, mit einer Gehhilfe über einNatursteinpflaster zu laufen. Das ist eine ebensogroße Herausforderung wie mitPfennigabsätzen. Städtebauliche Erleichterungen für ältere Menschen kann, daszeigt dieses Beispiel, auch angenehme Folgen für junge Menschen haben.

Nichtnur städtebaulich kann etwas getan werden. Der Workshop "Produkte undDienstleistungen" kam zum Schluss, dass es nicht alleine um altengerechteProdukte geht, sondern dass diese Produkte als Komfortprodukte deklariertwerden sollten. Produkte, die älteren Menschen das selbständige Lebenermöglichen, erleichtern es jungen Menschen, wie die o.g. städtebaulichenMaßnahmen auch. Das automatische Herunterlassen der Jalousien z.B. ist füreinen älteren Menschen eine enorme Erleichterung und stellt für einen jungenMenschen eine Komfortsteigerung dar. Bedenkt man, dass 50% des Geldvermögensbei den über 55-jährigen liegt, wird die Dimension dieses Marktes deutlich.

"Gesundheitund Älterwerden" war das Thema des dritten Workshops. Das Problem warschnell eruiert: die Gesundheitsangebote werden von denen wahrgenommen, die imPrinzip bereits gesund leben. Hier müssen die anderen Bevölkerungsgruppengezielt angesprochen werden. Als weiterer Ansatz wurden präventive Maßnahmendiskutiert, die den Arbeitnehmer gesund erhalten, anstatt Krankheitenabzuwarten und dann erst zu therapieren.

AlsForderung des Symposiums kann formuliert werden, dass das Saarland dendemografischen Wandel als Chance angehen sollte, indem es sich als Modellregionin diesem Bereich zur Verfügung stellt. Dafür sprechen die relativ geringeGröße des Saarlandes und die dennoch vorhandenen Bundeslandstrukturen und-verfassung und -gesetzgebung, die eine Abstraktion der Ergebnisse auf andereBundesländer zulassen. Die Chancen für Hochschule und Wirtschaft nutzen warnicht nur das Thema des Symposiums, sondern ist als Aufforderung zu verstehen,nicht weiter das Vogel-Strauß-Prinzip zu verfolgen, sondern die Herausforderunganzunehmen und Konzepte zu entwickeln, die den Umgang mit den Folgen desdemografischen Wandels regeln. Das Umweltministerium will die Zusammenarbeitmit der Hochschule für Technik und Wirtschaft, aber auch mit saarländischenUnternehmen weiter intensivieren. Eine so komplexe Herausforderung kann nurdann bewältigt werden, wenn Politik, Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaftgemeinsam nach Lösungen suchen, so Minister Mörsdorf.

 

V.i.S.d.P. Katja Jung

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