Digitales Lernen ist kein Selbstzweck

Digitalem Lernen gehört die Zukunft, soviel ist sicher. Die htw saar entwickelt seit Jahren ihre eLearning-Angebote kontinuierlich weiter. Als die Corona-Pandemie kam, profitierte sie von
den aufgebauten Digitalstrukturen. 

Es ist Ende April 2020, die htw saar hat ihr Lernangebot fast vollständig und über Nacht auf virtuelle Lehre umgestellt, und Marion Douba lacht beherzt. Die letzten Wochen seien hart für sie und ihr Team gewesen, sie spricht von Zehnstundentagen und ist trotzdem hochmotiviert. Die Referentin für eLearning ist im Jahr 2014 an die htw saar gekommen. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine Lernplattform für digitales Lernen. „Einige Dozent*innen zeichneten damals ihre Lehrveranstaltungen auf. Studierende konnten sie dann zu frei wählbaren Zeiten ansehen“, erinnert sich Douba. „Doch das System hatte entscheidende Schwächen.“ Der Upload sei umständlich gewesen, die Bedienung kompliziert. „Die Nutzer*innen hatten keinen Spaß an dem System, daher konnte es sich nicht hochschulweit durchsetzen.“
„Mein Ansatz war immer, zu schauen, wo es Bedarf gibt und was wir auch von anderen Hochschulen lernen können.“ So baute Douba ein Schulungs- und Beratungsangebot für die Lehrenden auf und vernetzte sich fortwährend mit anderen Hochschulen. Eine Hochschullizenz für eine Software zum Abfilmen von Bildschirminhalten wurde beschafft und entwickelte sich zum Renner.

Digitales Lernen ersetzt die Präsenz nicht

Neue Lehr- und Lernformen entwickelten sich. Zum Beispiel überzeugte das Konzept des Inverted Classroom mit der Zeit immer mehr Dozierende und Studierende. Demnach bereiten Lehrkräfte Selbstlernmaterialien in Form von Dokumenten oder auch Erklärvideos für die Studierenden vor, die über die Lernplattform bereitgestellt werden. Mit Hilfe der zum Teil interaktiven Materialien eignen sich die Studierenden den Stoff selbständig an. Zu Präsenzterminen wird gemeinsam das Wissen vertieft und angewendet – also anders herum, als bislang meistens praktiziert, „inverted“ eben.

Douba erarbeitete darüber hinaus gemeinsam mit Vertreter*innen aller Fakultäten eine eLearning-Strategie, die in der umfassenden Digitalisierungsstrategie für die Hochschule einging. „Mit eLearning unterstützen wir bestehende Strategien, es ist niemals Selbstzweck. Wir haben uns immer gefragt: Wo schaffen wir Mehrwert für Lernende, aber auch Lehrende?“ Ein wichtiger erster Punkt der erarbeiteten eLearning-Strategie: Es wird dringend eine neue, modernere Lernplattform benötigt. Man entschied sich für das weit verbreitete Open-Source-System Moodle. „Wir wurden komplett überrannt. In der Pilotphase im Sommersemester 2019 wollte bereits rund ein Drittel aller Dozierenden Moodle für seine Lehrveranstaltungen nutzen“, so Douba. „Der Erfolg und das Engagement der Lehrkräfte haben uns wirklich sehr positiv überrascht.“ Dann kam die Corona-Krise. Hochschulen und Universitäten weltweit mussten im Frühjahr 2020 schließen, um die Gesundheit aller sicherzustellen. Und plötzlich musste alles ganz schnell gehen. „Gut, dass wir im Vorfeld in digitales Lernen investiert haben. Bereits wenige Wochen nach dem Shutdown war ein weitgehender digitaler Lehrbetrieb möglich“, sagt die eLearning-Expertin erleichtert. „Trotzdem war das wirklich ein Kraftakt. Doch jetzt haben auch die Dozierenden, die sich bislang kaum mit Online-Lehre beschäftigt haben, unsere Angebote aufgegriffen und ihre Lehrveranstaltungen digitalisiert.“

„Natürlich sehnen sich alle wieder nach dem Campus. Auch ich will meine Kolleg*innen und die Studierenden ganz bald wiedersehen.“ meint Douba. „Es ist sehr gut, digitale Fähigkeiten ständig weiterzuentwickeln. Aber ohne soziale Kompetenzen und das Gefühl von Gemeinschaft würden wir möglicherweise vergessen, wofür wir das alles tun.“

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